Der Prophet Jesus und Maria im Koran (1/3)

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Wer weiß schon, dass Jesus im Koran eine wichtige Rolle spielt? Dass die Geschichte seiner wunderbaren Geburt durch die jungfräuliche Maria ausführlich wiedergegeben wird?

Auch wenn Muslime kein Weihnachtsfest feiern, können sie sich doch ihren christlichen Nachbarn solidarisch besonders verbunden fühlen und ihnen die besten Wünsche für ein friedliches und erfülltes Fest übermitteln. Hier eröffnen sich Möglichkeiten für den Dialog. Sogar historisch gibt es hier Spannendes zu entdecken, siehe ein Bericht auf Qantara zur Verehrung von Jesus und Maria am indischen Moghulhof: Eine Weihnachts-Meditation

Auch ein Anlass, mehr über Jesus und Maria im Islam zu erfahren:

Bekenntnis zu allen Propheten von Adam bis Muhammad

Wer sich zum Islam bekennt, bekennt auch den Propheten Jesus, auf arabisch Isa, Friede sei mit ihm. Das Glaubensbekenntnis

Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und ich bezeuge, dass Muhammad der Diener und Gesandte Gottes ist.“, schließt die Reihe der Propheten, die vor Muhammad (a.s.s.) wirkten mit ein. Der Koran, für die Muslime das Wort Gottes an die Menschen, betont dies zum Beispiel in Sure 2:136, wo Prophetenpersönlichkeiten wie Abraham, Moses und Jesus genannt werden, zwischen denen „kein Unterschied“ zu treffen sei. (siehe unten). 25 Namen von Propheten und Gesandten finden sich mit ihrer Geschichte im Koran.

Dem Prophet Jesus wird durch den Vergleich mit Adam eine ganz besondere Stellung eingeräumt. Die Schöpferkraft Gottes wirkt als Befehl „Sei!“ und führt zur direkten Erschaffung von Adam und Jesus. Die Muslime glauben also an das Wunder einer Geburt, ohne dass Jesu Mutter „von einem Mann berührt“ worden wäre. Jesus ist mehr als lediglich Prophet, der die vorherigen Botschaften Gottes den Menschen ins Gedächtnis zurückrufen würde. Gott betraut ihn mit der Verkündigung einer eigenen Sendung, dem Evangelium. Er ist also Gesandter. Hier wird verständlich, warum der Islam für Muslime keine neue Religion darstellt, die erst mit dem Propheten Muhammad in Erscheinung getreten wäre.

Der Islam macht also das Festhalten an den Wahrheiten des Judentums und Christentums zur Bedingung des eigenen Glaubens, der durch das „Siegel der Propheten“, Gottes Gesandten Muhammad, vervollständigt und von durch Menschen verursachte Irrtümern gereinigt wird. Die Hauptmerkmale des jüdischen Glaubens – Gottes Gerechtigkeit und des christlichen Glaubens – Gottes Liebe – finden sich im Islam vereint.

Wunder um den Propheten Jesus

Gott versetzt Jesus in die Lage außergewöhnliche Dinge zu tun, die jenseits der Naturgesetze zu stehen scheinen. Dazu gehört das Wunder, dass er bereits in der Wiege zu den Menschen sprach, dass er einen Vogel aus Lehm fliegen ließ, eine Tafel zur Speisung einer großen Menschenschar direkt von Allah erbat und Todkranke heilte. Betont wird dabei immer, dass die Kraft diese Leistungen zu vollbringen von Gott ausgeht, der hier ein Zeichen setzt. Denn Jesus tritt uns ganz als Mensch entgegen, der keinerlei göttlichen Charakter hat. Hier spricht der Koran klare Worte, die verdeutlichen, dass Jesus nicht als „Sohn Gottes“ oder „einer von dreien“ bezeichnet werden dürfe, weil dies die Einheit Gottes leugne. Muslime beten immer direkt zu Gott. Gott etwas beizugesellen wäre absolut verwerflich.

Maryam, die Mutter Jesu

Jesu Mutter Maryam, Maria, wird hoch geehrt. Die 19. Sure trägt ihren Namen als Titel, da hier die Geburtsgeschichte Jesu berichtet wird. Auch wenn von Jesus die Rede ist, so meistens als Isa, Sohn der Maryam. Über Maria lässt uns der Koran wissen, dass schon ihre Mutter während sie mit ihr schwanger war, ihr Kind ganz Allah weihte. Sie war überrascht ein Mädchen geboren zu haben, das anders als ein Junge weniger geeignet für den Tempeldienst erschien. Doch wurde sie aufgrund dieser ersten Regung der Enttäuschung von Allah zurechtgewiesen. – Mann und Frau sind vor Gott gleichwertig, jeweils mit besonderen Möglichkeiten und Fähigkeiten ausgestattet, die zur Ergänzung kommen sollen.

Die Waise Maria erhielt als Vormund Zacharias, der tief beeindruckt vom friedvollen und reifen Wesen des Mädchens war, das sich im Tempel aufhielt und dort auf wundersame Weise direkt mit Speise versorgt wurde, die ihr offensichtlich kein Mensch brachte. Diese Erfahrung ließ in dem schon hoch betagten Zacharias den Wunsch reifen, ein eigenes Kind zu haben. Dies wurde ihm durch Gott mit der Geburt des Propheten Yahya, Johannes, gewährt. Die Umstände dieser Geburt bereiten schon das Wunder Jesu vor, denn auch die Frau Zacharias war weit über das Alter hinaus Kinder zu gebären. Gottes Wille ließ auch hier ein Wunder geschehen.

Jesu Geburt – eine ausführliche Schilderung und Zuspruch für Schwangere

Maria wurde durch den Botenengel Gabriel, der ihr in der Gestalt eines vollkommenen Menschen erschien, auf die bevorstehende Geburt vorbereitet. Ihr Erstaunen hätte größer nicht sein können. Im Koran findet sich dann eine genaue Schilderung der Geburtsszene. Die junge Frau zieht sich außerhalb ihres Dorfes unter den Stamm einer Dattelpalme zurück, wo sie die Wehen so heftig überkommen, dass sie verzweifelt scheint. Doch Gott lässt ihr mit einer unter ihr hörbaren Stimme Trost und Mut zusprechen. Sie möge den Stamm der Palme bewegen und so Datteln zu sich nehmen und von der Quelle, die Er zu ihren Füßen entspringen ließ, Erquickung erfahren. Heute haben wir durch die moderne Wissenschaft davon Kenntnis, dass in Datteln der wehenfördernde Wirkstoff Oxitosin in besonders hohem Ausmaß vorhanden ist. Das Hormon Oxitosin beschleunigt und erleichtert so den Geburtsvorgang und hat auch eine besondere Bedeutung bei der Festigung der emotionalen Beziehung zwischen Mutter und Neugeborenem. Aber auch das Bächlein lässt sich ganz in die Realität der Geburtshilfe übertragen, ist doch das beruhigende Murmeln das Wassers von positivem Einfluss auf den Geburtsvorgang. Schließlich scheint auch interessant, dass Maryam aufgefordert wird, einen Teil zur Dattelernte beizutragen. Gott lässt die Datteln nicht auf sie herabregnen, sondern verlangt ihren Einsatz. Das eigene Handeln wird tatsächlich im Islam immer unterstrichen. Hier kann das Umfassen und hin und her Bewegen der Palme aber auch als günstig für die Geburt bewertet werden.

Die Koranverse um die Geburt Jesu werden oft von Gebärenden oder dem sie begleitenden werdenden Vater rezitiert. Kraft kann aus dem Gedanken erwachsen, dass Gott die Frau so geschaffen hat, dass sie einer Geburt von sich aus im wahrsten Sinne des Wortes „gewachsen“ ist. Sich auf natürliche Abläufe wie die Wehen einzulassen und sie aktiv zu begleiten steigert die zuvor unbekannten Kräfte noch und verstärkt die Empfindung eines „es geschieht wie von selbst“. Wie kaum eine andere Situation birgt die Geburt die Möglichkeit, Vertrauen und Hingabe in Gott als unmittelbar aufs Positivste rückwirkend zu erleben. Im Islam, der diese Haltung als Weg Frieden zwischen Mensch und Gott, zwischen Mensch und Gemeinschaft herbeizuführen, sozusagen als Programm im Wort selbst trägt, werden die Stunden der Geburt ganz besonders bewertet. Von einer Gebärenden sagt man, dass ihren Bittgebeten besondere Beachtung zuteil wird. Vor einer Geburt wünscht man einer Frau so nicht nur alles Gute, sondern erinnert daran, dass sie auch Dua’, Bittgebete, während der Wehen sprechen möge.

Jesus als Prophet des Friedens

Doch zurück zu Maryam. Sie steht vor der Frage, wie sie mit Baby zu ihrem Stamm zurückkehren soll, wo gewiss Vorwürfe und Beschuldigungen auf sie warten werden. Ihr wird von Gott ein Schweigefasten auferlegt, wo sie sich doch eigentlich persönlich rechtfertigen müsste. Sie aber wird durch diese Verfügung völlig entlastet, denn die Aufgabe einer Erklärung übernimmt ihr Sohn Isa, Jesus, auf wunderbare Weise selbst. Er spricht als Säugling in der Wiege von seines Sendung als „Diener Allahs“ und sagt von sich: „Friede war über mir am Tage, da ich geboren ward, und (Friede wird über mir sein) am Tage, da ich sterben werde, und am Tage, da ich wieder zum Leben erweckt werde.

Muslime pflegen so eine ganz besonders innige Beziehung zu ihrem Propheten Jesus. wenn Muslime kein Weihnachtsfest kennen und hier nicht direkt mitfeiern, liegt es doch viel näher als Ostern, das die Muslime in ihrer Sicht, dass Jesus keinen Kreuzestod gestorben sei, nicht nachvollziehen können. Weihnachten ist ein Fest, das die Gemeinsamkeiten zwischen Christen und Muslimen wachruft und bestärkt. Die Friedensbotschaft Jesu können wir hier teilen und uns gegenseitig wünschen, dass es uns gemeinsam gelingen möge, gerade in angespannten Zeiten zusammen friedliche Konfliktlösungsmodelle zu erarbeiten und umzusetzen.

 

Quelle: www.derislam.at


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