Frauenrechte im Islam


Ich verfolge aufmerksam der „Kopftuch“- Diskussion (mit der Basis von 2 Jahren Arbeit in einem muslim. Land)
Es fällt aber nach wie vor schwer, beiliegenden Artikel aus dieStandard
150 Peitschenhiebe für schwangere Hausangestellte
Vereinigte Arabische Emirate: Unverheiratete von islamischem Gericht zu drakonischer Strafe verurteilt
Dubai – Ein islamisches Gericht in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) hat eine Hausangestellte zu 150 Peitschenhieben verurteilt, weil sie unverheiratet schwanger geworden ist. Ihr Arbeitgeber hatte die Schwangerschaft der unverheirateten Frau bemerkt und sie den islamischen Autoritäten in Ras al-Khaimah übergeben.
wie die in Dubai erscheinende Zeitung „Gulf News“ am Montag berichtete, weigerte sich die Frau, die Identität des Vaters ihres Kindes preiszugeben. Ob sie erst nach der Geburt ihres Babys ausgepeitscht werden soll, ging aus dem Bericht nicht hervor. Das Dienstmädchen soll zwei Mal je 75 Hiebe erhalten. Die Nationalität der Frau wurde nicht erwähnt.


positiv einzuordnen.


Es ist einfach leichter, in der westlichen Umgebung auf etwas zu beharren (zb Kopftuch) und ein wenig zu „provozieren“ (sie müssen der Frau Innenministerin geradezu dankbar sein) als in einer muslim. Umgebung auf z.B. körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung über den eigenen Körper in muslim. Gesellschaft
die kritischen Aussagen zur muslim. Gerichtsbarkeit halten sich allerdings in Grenzen, wünschenswert wäre wohl zumindest ein Ausmass, in dem Kopftuchfreiheit eingefordert wird mit diesen Kontrasten wird ein Kopftuch niemals ein Symbol von „muslim. weibl. Selbstbestimmung“ sein können
Mit freundlichen Grüßen
BF

Antwort der Frauenbeauftragten Andrea Saleh:


Uns MuslimInnen in Österreich liegt in keiner Weise daran zu provozieren und wir wissen die Freiheit, in der wir in Österreich unsere Religion praktizieren können, auch durchaus zu schätzen. Übersehen Sie bitte nicht, dass die Stellung der Frau in manchen Ländern der „islamischen Welt“ von vielerlei anderen als religiösen Faktoren geprägt ist. Teilweise Jahrhunderte alte patriarchale Strukturen, Traditionen und unhinterfragtes Gewohnheitsrecht, autoritäre Regime, Armut, psychische und wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen von ihren Erhaltern (Ehemänner, Väter, Brüder), mangelnde Bildung von Männern und Frauen, politische Einmischung und Lenkung von außen, kriegerische Auseinandersetzungen usw. spielen tragende Rollen. Pseudoreligiöse Argumente werden häufig zu Instrumenten, um Frauen zu bevormunden, zu marginalisieren, ungerecht zu behandeln. Niemand leidet unter diesen Zuständen mehr als wir MuslimInnen selbst. Dabei verpflichtet die Religion des Islam eigentlich Frauen gleichermaßen wie Männer beim Aufbau der Gesellschaft aktiv beizutragen, da Frauen grundsätzlich den Männern ebenbürtig sind und deren Partizipation bei der Entwicklung der Gesellschaft ein wesentliches Element ist. Gott warnt die Gläubigen im Koran eindringlich, stets gerecht zu handeln – eine Benachteiligung von Frauen kann gerade aus islamisch-theologischer Sicht durch nichts gerechtfertigt werden.
Aus Diskussionen mit (muslimischen wie nichtmuslimischen) Medien- und MigrationsexpertInnen und unseren eigenen Erfahrungen wissen wir aber ebenso, dass Diskurse um Kopftuch und Stellung der muslimischen Frau durch abschreckende, erschütternde Fallbeispiele von anderen „hauseigenen“ Problemen ablenken sollen. Auch die Frauen in Europa sind ja nicht wirklich gleichgestellt. Schließlich gibt es hier – trotz der relativ guten wirtschaftlichen Absicherung und friedlicher Verhältnisse – genug frauenspezifische Probleme, angefangen bei schlechterer Bezahlung, über familiäre Gewalt, sexuelle Belästigung und die Problematik „Frau als Objekt“. Wenn man Frauen das Gefühl vermittelt, in anderen Ländern oder Kulturen gehe es der weiblichen Menschheitshälfte ja noch viel schlechter, geben sie sich eher mit der eigenen Situation zufrieden. Was liegt dann näher, sich eines seit dem Mittelalter beliebten (und neuerdings voll wiederbelebten) Feindbildes zu bedienen, wo doch jeder „weiß“, wie frauenfeindlich der Islam ist?
Was wir mit unserer Arbeit anstreben, ist nicht ein blindes und stures, womöglich provozierendes Beharren auf die uns hier zugestandenen Rechte, sondern eine Solidarisierung, über religiöse und ethnische Grenzen hinweg, für das Recht von Frauen auf eigenständige, gewaltfreie, den Männern gleichgestellte Lebensplanung und
-führung. Dazu gehört aus unserer Sicht auch die freie Entscheidung für oder gegen das Tragen eines Kopftuches. Die islamische Bekleidung ist für uns keinesfalls ein Symbol, sondern gelebte Glaubenspraxis, muss aber leider immer wieder als Platzhalter für wirklich tiefgreifende Diskussionen herhalten. Uns liegt der soziale Frieden in diesem Land am Herzen, ja ist uns religiöse Verpflichtung, deshalb sind wir auch bereit – so gut wir können – unsere Beiträge zu leisten.
Wie man/frau beobachten kann, wird in Europa auch häufig von Versäumnissen der Integrationspolitik abgelenkt, denn wirklich integrationsfördernde Maßnahmen kosten Geld und sind mitunter unpopulär. Tatsache ist leider, dass vor allem muslimische Frauen auf dem Arbeitsmarkt deutlich schlechter gestellt und einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt sind, und zudem Diskriminierungen und Rassismus erfahren müssen. Durch vereinnahmende Diskussionen um Kopftücher und manche in der Praxis nur periphere Themen finden all diese Aspekte jedoch selten größere Beachtung. Wir selbst sind aktiv bemüht, ein Bewusstsein gegen frauenverachtende, dem Islam zuwiderlaufende Traditionen oder Praktiken zu bilden – natürlich auch unter MuslimInnen – untermauert mit handfesten theologischen Argumenten. Doch wir stehen mit dem Rücken zur Wand, da wir uns immer wieder für Zustände in der „islamischen Welt“ rechtfertigen müssen, die außerhalb unseres unmittelbaren Einflussbereiches liegen und in ihrer Vielschichtigkeit für den westlichen Beobachter auch nicht so einfach zu verstehen sind.
Artikel, wie den von Ihnen genannten, kann wohl niemand positiv einordnen, noch dazu, wenn (wieder einmal) Frauen einseitig betroffen sind. Jedoch kann man/frau ihn vor dem Hintergrund der obigen Ausführungen betrachten. Wenn man/frau die Medien der Länder der „islamischen Welt“ mitverfolgt, kann man/frau so etwas wie eine „Aufbruchstimmung“ feststellen. Frauen kämpfen zunehmend für die Durchsetzung ihrer Rechte, bringen Dinge in Bewegung und werden auch von gerechten Männern unterstützt. Die Gerichtsbarkeit einzelner Länder kann allerdings nicht isoliert als solche beurteilt werden, weil sie im Gesamtkontext mit den politischen, sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen sowie vor dem Hintergrund der Geschichte des jeweiligen Landes gesehen werden muss.


Quelle: http://www.derislam.at


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