Die muslimische Frau – Was prägt unser Bild?


Die muslimische Frau – Was prägt unser Bild ?

Das Bild über den Islam im allgemeinen und die muslimischen Frauen im besonderen ist hierzulande nur selten von der persönlichen Begegnung mit Muslimen geprägt – ungeachtet der Tatsache, dass Muslime in Deutschland schon seit mehreren Jahrzehnten leben und mittlerweile mehr als drei Millionen geworden sind. Einen viel größeren Einfluss auf das Bild haben die Medien.  
Mit den Medien ist das so eine Sache, denn sie interessieren sich weniger für den unspektakulären Alltag der Menschen, sondern vor allem für die Probleme und für die schlimmen Nachrichten. Zu dem Interesse an den schlechten Nachrichten kommt dann oft noch eine große Unwissenheit über den Islam von denjenigen, die einen Artikel schreiben oder eine Fernsehsendung machen. Aus dieser Unwissenheit wird dann schnell vieles von dem, was berichtet wird, auf den Islam als solchen zurückgeführt.

Ich habe hier mal eine Ausgabe der Frauenzeitschrift Brigitte vom August diesen Jahres als Beispiel mitgebracht. Sie enthält ein Dossier zum Thema „Mein Mann ist Moslem“. Es geht um die Herausforderungen in gemischt-religiösen Ehen, und das Dossier ist insgesamt auch gar nicht so schlecht. In einem Interview mit der Bundesgeschäftsführerin des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften, steht dann allerdings in einer der Fragen folgender Satz: „Der Koran sagt, zwei Frauen seien so viel wert wie ein Mann.“ (Heißt also: Eine Frau ist halb so viel wert wie ein Mann.) Aus diesem Umstand ergibt sich dann für die Brigitte die Frage: „Muss sich die Frau, die einen Moslem liebt, darauf einstellen, dass er ein Frauenbild verinnerlicht hat, das nicht ihrem eigenen, dem westlichen, entspricht?“
Zwei Dinge fallen hier auf: Erstens der unwissende, ja ahnungslose Umgang mit dem Koran. Die falsche Auslegung bestimmter Koranverse ist hier bereits zum gesicherten Wissen geworden. Und zweitens die diametrale Gegenüberstellung von „dem“ islamischen und „dem“ westlichen Frauenbild. Hier entsteht der Eindruck, dass die jeweiligen Frauenbilder ganz klar definiert und ganz scharf umrissen sind, und auf keinen Fall etwas gemeinsam haben können.

Eine andere interessante Nachricht der letzten Wochen betrifft ein Buch, das angeblich eine wahre Geschichte erzählt: „Du fehlst mir meine Schwester“ von Norma Khouri. Das Buch ist unter dem Titel „Forbidden love“ in Australien erschienen, mittlerweile in 15 Ländern verkauft worden, allein in Australien 200.000 mal. Ein Weltbestseller. Es geht um die Geschichte einer muslimischen Freundin der Autorin, Dahlia, die sich in einen Christen verliebt hat, und deshalb von ihrem Vater umgebracht wird – ein sogenannter „Ehrenmord“. Ein australischer Literaturkritiker hat allerdings herausgefunden, dass die Autorin bereits im Alter von drei Jahren Jordanien verlassen hat und in den USA aufgewachsen ist. Die ganze Geschichte ist also erfunden, und das Buch wurde mittlerweile vom Markt genommen. Es ist allerdings die Frage, wie viele von den Lesern, die das Buch schon gefunden hat, davon erfahren werden.
Was zeigt uns das?
Dass es sich bei diesem Buch um eine Fälschung handelt, heißt natürlich nicht, dass das Problem der Ehrenmorde in Jordanien nicht existiert. Es zeigt allerdings, dass man mit der Geschichte der unterdrückten muslimischen Frau viel Geld verdienen kann. Verkaufsfördernd hat sich sicherlich auch der eingebaute kleine Clash of Civilizations (oder religions) ausgewirkt: Eine Muslima muss sterben, weil sie einen Christen liebt. Das sind die Geschichten, die heutzutage Konjunktur haben. Seit dem Erfolg von Betty Mahmoodis „Nicht ohne meine Tochter“ gibt es auf dem Büchermarkt eine regelrechte Flut von “Schleierliteratur”, in der in verschiedenen Variationen erzählt wird, wie schlecht es den muslimischen Frauen doch geht. Die Tatsache, dass Khouris Buch zu einem Weltbestseller wurde, zeigt, dass die Welt so etwas gerne lesen möchte. Der Mensch will ja vor allem das hören und sehen, was er bereits zu wissen glaubt, wenn etwas unsere Ansichten in Frage stellt, ist das eher uninteressant für uns – es könnte ja sein, dass man sein Bild revidieren muss, und wer tut das schon gerne.

Problematisch ist, dass diese Geschichten unser Bild prägen. Es gibt auch andere Frauengeschichten in islamischen Ländern. In Ägypten liegt z.B. der Anteil der von Frauen besetzten Universitätsprofessuren bei etwa 30%. (Zum Vergleich: In Deutschland betrug der Anteil Ende 2003 knapp 13%.) Auch in Jordanien ist der Anteil der Frauen an den Studenten und Akademikerinnen im Vergleich zum internationalen Durchschnitt sehr hoch. Aber würde ein Buch über eine erfolgreiche muslimische Professorin zu einem Weltbestseller werden? Wohl kaum.
Dies soll wie gesagt nicht heißen, dass Frauen in der islamischen Welt keine Probleme hätten. Es ist allerdings so, dass man sich ausschließlich auf problematische Aspekte konzentriert, und das verzerrt natürlich das Bild erheblich.

Quelle:http://www.al-sakina.de


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