Das Leben in der Dschahiliya-Gesellschaft (4/4)


Die Auffassung der Religion in der Dschahiliya-Gesellschaft

Die Gesellschaftsmodelle, deren Eigenschaften wir bis hierher erwähnt haben, die Allah nicht in Seiner wahren Bedeutung einschätzen und die deswegen als Dschahiliya bezeichnet werden, haben auch die Religion nach ihrer eigenen verdrehten Logik und ihrem falschen Glauben geändert. Die Auffassung der Religion, die als Resultat dieser Logik entstand, unterscheidet sich vollständig von der wahren Religion, die uns im Quran von Allah mitgeteilt wird. Im Quran wird die Religion, die vom Propheten Muhammad (s.a.w.s.) gebracht wurde, als eine Religion bekannt gemacht, die „von den Menschen ihre Last und die Fesseln, die auf ihnen lagen, hinweg nimmt“ (Sure 7:157 – al-A’raf) und „in der es keine Schwierigkeiten gibt“:

…Er hat euch erwählt und hat euch in der Religion nichts Schweres auferlegt; der Religion eures Vaters Abraham. Er hat euch „Muslime“ genannt… (Sure 22:78 – al-Hadsch)

Im Quran werden die Menschen zum Denken und folglich dazu eingeladen, den falschen Glauben und Wege zu bemerken, denen sie folgen und sie werden aufgerufen, ein Leben zu führen, wie es Allah von ihnen verlangt.

Die Dschahiliya-Gesellschaft jedoch hat die offene und leicht verständliche Mitteilung des Quran ignoriert und im Namen des Islams eine stark fanatische und bedrückende Religion hervorgebracht. Wir können einige Eigenschaften dieser verdrehten Logik der Religion der Dschahiliya-Gesellschaft folgendermaßen aufzählen:

o Die Religion, die im Quran beschrieben wird, lädt den Menschen dazu ein, nur Allah zu dienen und sich von der Sklaverei anderer Wesen außer Allah zu befreien. Dieser Religion gemäß ist der Mensch nur dafür verantwortlich, nach Allahs Wohlgefallen zu suchen. Er braucht nicht den anderen zu gefallen. Die Dschahiliya jedoch hat die Religion nicht als einen Weg angesehen, um nach Allahs Wohlgefallen zu suchen und folglich sich selbst zu befreien, sondern für eine gesellschaftliche Vereinigung gehalten. Nach dieser Auffassung der Dschahiliya-Gesellschaft verstärkt die Religion den gesellschaftlichen Druck auf einen Menschen. Somit basiert die Religion auf der Angst vor der Frage „Was sagen die anderen Menschen?“ und unterscheidet sich dadurch vollständig von der wahren Religion.

o Die Dschahiliya-Gesellschaft, die die Religion so versteht, hat sie mit der Tradition identifiziert. Örtliche Gewohnheiten und Glauben wurden dem Islam hinzugefügt, und religiös zu sein bedeutete gleichviel wie, an die Überlieferungen gebunden zu sein, die von den Vorvätern stammten. Doch die Religion, die im Quran beschrieben wird, hat damit gar nichts zu tun. Im Quran befiehlt Allah den Menschen nur, Seinen Befehlen und der Sunnah des Propheten (s.a.w.s.) zu folgen. Im Laufe der Geschichte haben sich die Propheten immer mit denen auseinandergesetzt, die mit den Falschheiten, die sie von ihren Vorvätern gelernt hatten, die Wahrheit widerlegen wollten. Ihre Moral wurde in den Versen folgendermaßen beschrieben:

Und wenn man zu ihnen spricht: „Befolgt, was Allah herabgesandt hat,“ sprechen sie: „Nein, wir befolgen, was wir bei unseren Vätern vorfanden.“ Wie? Obgleich ihre Väter nichts wussten und nicht geleitet waren? (Sure 2:170 – al-Baqara)

Das gleiche Thema wird in der Sure 5:104 – al-Ma’ida; in der Sure 6:91 – al-An’am; in der Sure 7:28 – al-A’raf und in vielen anderen Versen nochmals erwähnt.
•    Die Dschahiliya-Gesellschaft, die die Religion als eine gesellschaftliche Vereinigung annimmt und mit der Tradition gleichsetzt, hat als natürliches Resultat ihrer Haltung die Religion von der Vernunft getrennt. Aber wie im Quran angegeben wird, ist die Weisheit für einen Gläubigen sehr wichtig. Die Gläubigen werden immer dazu eingeladen, zu denken, zu forschen und auf diese Weise Allahs Zeichen kennen zu lernen. Der Glaube kommt aus dieser Weisheit. Das heißt, als Resultat des Benutzens der Weisheit glaubt man, und je mehr man seine Weisheit benutzt, desto stärker wird der Glaube. Die Dschahiliya jedoch denkt, dass der Glauben nur aus der Glaubhaftigkeit besteht. Diese Menschen erkennen Allahs Bestehen und Seine Attribute nicht durch ihren Verstand, sondern nur, indem sie an die traditionellen Kenntnisse blindlings glauben. Aus diesem Grund ist der Glaube an Allah in der Dschahiliya-Gesellschaft sehr schwach. Um diesen schwachen Glauben nicht zu verlieren, haben sie eine alberne Logik entwickelt: „Wenn man zu viel über religiöse Themen nachdenkt, dann verliert man den Glauben.“ Natürlich steht diese Logik im völligen Widerspruch zu der quranischen Logik, dass man den Glauben durch den Verstand begreifen kann.
•    Mit der gleichen Logik haben die ignoranten Menschen der Religion neue Regeln hinzugefügt, sie haben Verbotenes unbedenklich als Erlaubtes angenommen. Somit ist der Islam eine Religion geworden, die den Menschen zahlreiche Begrenzungen bringt und die im praktischen schwer zu leben ist. Im Quran weist Allah oftmals auf die Falschheit der „prohibitiven“ Logik hin, die viele Menschen stört:
Sprich: „Wer hat denn die schönen Dinge verboten, die Allah für Seine Diener erschaffen hat, und die guten Speisen?“ Sprich: „Sie sind für die Gläubigen im irdischen Leben, ausschließlich aber (für sie) vom Tag der Auferstehung an.“ So machen Wir den Verständigen die Zeichen klar. Sprich:

Verboten hat mein Herr nur Schandbarkeiten, öffentliche oder verborgene, die Sünde schlechthin und unrechtmäßige Gewalttaten, und dass ihr Allah andere Gottheiten an die Seite stellt, wozu Er euch nicht ermächtigte, und dass ihr von Allah aussagt, was ihr nicht wisst.“ (Sure 7:32-33 – al-A’raf)

Warum solltet ihr nicht von dem essen, worüber Allahs Name gesprochen wurde, wo Er euch schon erklärte, was Er euch verboten hat, sofern ihr nicht gezwungen werdet? Aber siehe, viele führen euch mit ihren Begierden und in ihrer Unwissenheit irre. Siehe, dein Herr kennt sehr wohl die Fehlbaren. (Sure 6:119 – al-An’am)

O ihr, die ihr glaubt! Verbietet nicht die guten Dinge, die Allah euch erlaubt hat, aber übertretet auch nicht. Siehe, Allah liebt nicht die Übertreter. (Sure 5:87 – al-Ma’ida)

Wie aus diesen Versen ersichtlich ist, gehört diese prohibitive, rückständige, geschlossene, unbehagliche und überalterte Struktur nicht dem Islam an.
•    Als Resultat der Degeneration, die durch die Dschahiliya-Gesellschaft verursacht wurde, wurde der Islam als „eine arabische Wüstenreligion“ präsentiert. Die Wahrheit ist aber ganz anders. Die Propheten sind immer die zivilisiertesten Personen ihrer Zeiten gewesen. Sie sind sehr kultivierte Menschen, die ästhetische Werte besitzen. Der Prophet Salomo (a.s.) ist eins von den hervorragenden Beispielen, die uns im Quran mitgeteilt werden. Sein Palast ist voll mit architektonischen Wundern, den Bildnissen und riesigen Becken und Teichen.
Muslim zu sein bedeutet nicht, von der traditionellen Kultur abhängig zu sein oder an nostalgischen Werten Freude zu finden. Es bedeutet auch nicht, „Orientale“ zu sein. Ein Muslim zu sein, heißt Allah zu dienen und für die Gnaden dankbar zu sein, die Allah ihm gegeben hat. Es ist die strenge Bemühung darum, Allah zu erkennen und ein Mensch mit einem edlen Charakter zu sein.

Ein wahrer Muslim ist jemand, der immer nach dem Wohlgefal-len Allahs, des Allmächtigen sucht, Der ihn erschaffen hat, und der außer Allahs Wohlgefallen keine andere materielle oder geistige Erwartung hat.

Das ist die Beschreibung der Muslime.

lebenfurallah


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