Die Nacht- und Himmelsreise (Al-Isra‘ wal Mi’radsch) (1/2)


Vorwort

In diese Zeit fallen AI-Isra‘ und AI Mi’radsch (1) . Muhammad befand sich in der Nacht von Al-Isra‘ im Hause seiner Base Hind, der Tochter von Abu Talib, deren Beiname Umm Hani war. Hind sagte: „Der Gesandte Allahs übernachtete in dieser Nacht bei mir in meinem Haus und betete das Nachtgebet, dann schliefen er und wir. Kurz vor der Morgendämmerung weckte uns Allahs Gesandter. Nachdem er mit uns das Morgengebet gebetet hatte, sagte er: ‚O Umm Hani, ich betete mit euch das Nachtgebet, wie du sahst, an diesem Ort, dann ging ich zum Baitul Makdis (2) und betete darin; dann habe ich soeben mit euch das Morgengebet gebetet, wie ihr seht.‘ Ich sagte zu ihm: ‚O Prophet Allahs, erzähle den Menschen nichts davon, damit sie dich danach nicht der Lüge bezichtigen und dir schaden.‘ Er sagte: ‚Bei Allah, ich werde es ihnen erzählen.‘ „

Es ist uns nach den ältesten Quellen* überliefert, daß dem heiligen Propheten, nachdem er in Jerusalem gebetet hatte, eine wunderschöne Leiter gebracht wurde, die ihn zum Himmelstore hinaufführte, sodann wurde er vom Engel Gabriel durch alle sieben Himmel geführt.

Im untersten Himmel erblickte er unseren Vater Adam (as), an dem die Seelen der Verstorbenen vorüberzogen. Dieser urteilte über die Guten: „Eine gute Seele aus einem guten Körper!“, während er über die Schlechten mit finsterem Gesicht sprach: „Wie abscheulich! Eine schlechte Seele aus einem schlechten Körper!“

Und Muhammad (s) begegnete Jesus und Johannes im zweiten Himmel. Im dritten Himmel traf er auf Joseph, den Sohn Jakobs, im vierten Himmel Idrîs. Im fünften Himmel staunte er über die Schönheit des Aaron, des Sohnes des Imrân, im sechsten Himmel fand er Moses vor, einen Mann von dunkler Farbe und großem Wuchs mit gekrümmter Nase.

Im siebten Himmel schließlich sah er einen Mann beim Tor zum Paradiese sitzen, durch das jeden Tag siebzigtausend Engel eintraten, die erst am Tag der Auferstehung wiederkehren, ein Mann, der ihm außerordentlich ähnlich sah. Der Engel Gabriel sagte ihm, daß es Abraham sei – der Friede sei auf ihnen allen.

Und sie betraten das Paradies. Im siebten Himmel wurde der heilige Prophet zu Allâh dem Allmächtigen gebracht, der ihm pro Tag fünfzig Gebete zur Pflicht machte. Als er auf dem Rückweg an Moses vorbeikam, schickte dieser ihn zurück mit den Worten: „Das Gebet ist eine schwere Last, und dein Volk ist schwach. Bitte deinen Herrn um Erleichterung.“ Und er schickte ihn noch einmal und noch einmal, sooft zurück, bis der Allbarmherzige die Anzahl der Gebete auf fünf verringert hatte. Als Moses ihn ein weiteres Mal zurückschicken wollte, schämte sich Muhammad, die Bitte nochmals vorzutragen und versprach dafür: „Jedem von euch, der diese fünf Gebete gläubig und ergeben verrichtet, werden sie wie fünfzig Gebete vergolten werden.“

Nachtreise Und Himmelsreise (621n. Chr.)

Nachtreise Und HimmelsreiseNachtreise Und HimmelsreiseDie Hadîthe über ’Isrâ’ und Mi‘râj, „Nachtreise“ und „Himmelsreise“ des Propheten Muhammad (s), sind überliefert von Ibn ‘Abbâs und vielen anderen Prophetengefährten, von Khalif ‘Umar, Khalif ‘Alî, Ibn Mas’ûd, Ibn ‘Umar, Abû Hurairah, Anas, Jabir, ‘A’îshah bint Abû Bakr und Umm Hâni’ – möge Allâh mit ihnen allen zufrieden sein.

– ’Isrâ’ (von arab. sarâ, laufen in der Nacht) bedeutet des heiligen Propheten „Nachtreise“ von Mekka nach Jerusalem, mi‘râj (von arab. ‘araja, hinaufsteigen) ist sein Aufstieg in die sieben Himmel mittels der himmlischen Leiter, auf der der Erzengel Jibrîl (as) ihn führte.

Ibn Qutaiba (gest. 267 H.), Ibn Abdalbar (gest. 463 H.), Ibn Rafî und Al-Nawawi haben nachgewiesen, daß die beiden Ereignisse im Monat Rajab stattfanden. Allamah ‘Abdul Gani Mugaddsi und Fagi Muhaddith Abû Muhammad al-Hussein Ibn Mas‘ûd Al Bagwi Shafî, Musnnif und Mualim ul-Tauzil bestätigen, daß es am 27. Rajab war.

Großsheikh ‘Abdullâh ad-Daghistânî – möge Allah seine Seele heiligen – berichtet, während des Lebens des heiligen Propheten Muhammad (s) auf dieser Welt habe das Ereignis der mi‘râj 12000 mal stattgefunden. Das bedeutet, daß der heilige Prophet (s) 12000 mal von Seinem Herrn in die Göttliche Gegenwart eingeladen worden ist. Und nachdem er diese Welt verlassen hatte, ging er für immer in die Göttliche Gegenwart Allâhs des Allmächtigen ein, worin er bleiben wird bis zum Tage des Gerichts, von da ab er mit Seinem Herrn sein wird in Ewigkeit.

Ibn ‘Abbâs, möge Allâh mit ihm zufrieden sein, erzählte das folgende: Ich hörte den heiligen Propheten Muhammad (s) sagen: „Wir waren im Hause von Umm Hâni’, möge Allâh mit ihr zufrieden sein, der Tochter von Abû tâlib. Ihr richtiger Name ist Fakita. Es war Montag nacht am 27. des Monats Rajab im achten Jahr der Prophetenschaft. … Es klopfte an der Tür. Fâtima ging hinaus, um zu sehen, wer es war. Als sie die Tür öffnete, traf sie einen Mann an, der sehr gut gekleidet war und zwei grüne Flügel hatte. Seine Flügel erstreckten sich von Osten nach Westen. Auf dem Kopf hatte er eine Krone, die mit Perlen und Edelsteinen besetzt war und auf der geschrieben stand: Lâ ilâha illâ llâh Muhammadur Rasulullâh.

Fâtima fragte den Mann: „Zu wem wollt Ihr?“

Der Mann antwortete: „Ich will zu Muhammad (s).“

Muhammad (s) trat sogleich hinaus und verstand, daß die Person niemand anderes als der Erzengel Jibrîl (as) war.

Jibrîl (as) sagte: „O mein Geliebter, komm und lege reine Kleidung an und beruhige dein Herz! Wahrlich, in dieser Nacht ruft dein Herr, Allâh der Allmächtige, dich, Er, der niemals schlummert noch schläft.“

Von Malik bin Sa’Sa’a radiya llâhu anhu wird berichtet, daß, als Muhammad (s) in Glückseligkeit hinaustrat, die Engel seine Brust öffneten, sein Herz herausnahmen und es in Zam Zam-Wasser wuschen, es dann mit Glauben und Weisheit aus einem goldenen Gefäß anfüllten und es dann in seine geheiligte Brust zurücklegten.

Der heilige Prophet fuhr fort: „Dort auf dem Feld traf ich auf ein pferdeähnliches Tier, genannt Burâq, an Jibrîls (as) Seite. Es ist ein Tier, das keine Ähnlichkeit mit anderen Tieren hat. Es ist kleiner als ein Maultier, größer als ein Esel und hat eine weiße Farbe. Es hatte ein menschliches Gesicht und war das schönste Tier im Vergleich zu allen Geschöpfen dieser Welt. Seine Mähne war mit Perlen geschmückt und seine Ohren mit grünen Smaragden. Seine Augen sahen wie Sterne aus und strahlten wie die Sonne. Dieses Tier kann durch niemanden gepriesen werden, es sei denn durch Allâh den Allmächtigen. Als ich dieses Tier sah, war ich erstaunt über seine große Schönheit. Ruhm sei Allâh.“

Burâq scheute, den Propheten aufsitzen zu lassen, wurde dann aber von Jibrîl zurechtgewiesen: „Beruhige dich, o Burâq, du solltest dich schämen, vor dem Meister der Geschöpfe davonzulaufen. Dem, der in der Sicht Allâhs der beste ist und besser als die gesamte Schöpfung.“ Muhammad mußte Burâq darauf versprechen, daß er am Tage des Gerichts für ihn Fürsprache einlegen und ihm die Ehre erweisen werde, sich auf seinem Rücken tragen zu lassen.

Der heilige Prophet Muhammad fuhr fort: „Der Burâq rief mich, und ich stieg auf. Wir begannen unsere Reise mit großer Geschwindigkeit mitten durch den Himmel, bis wir einen bestimmten Platz erreichten, wo Jibrîl mich absteigen und gemäß der Überlieferungen des Propheten Ibrâhîm (as) zwei Raka‘ât beten hieß.“ Der Platz war Wad al-Aqiq in der Wüste.

Der heilige Prophet (s) fuhr fort: „Dann bestieg ich Burâq, und wir setzten unsere Reise fort. Als wir weiterritten, hörte ich eine Stimme zu meiner rechten Seite, die sagte: ‚Halt, o Muhammad, laß mich dir und deiner Gemeinde einen Rat geben.‘ Aber ich achtete nicht darauf und setzte meine Reise fort, ohne anzuhalten oder hinter mich zu schauen, und es war Allâhs Barmherzigkeit auf mir und meiner Gemeinde. Als wir unsere Reise fortsetzten, hörte ich einen anderen Ruf zu meiner linken Seite, die rief: ‚Halt, o Muhammad! Laß mich dir und deiner Gemeinde einen Rat geben.‘ Wieder schenkte ich keine Aufmerksamkeit und setzte meine Reise fort, ohne anzuhalten oder hinter mich zu schauen. Und es war auch Allâhs Barmherzigkeit auf uns. Als wir weiterreisten, traf ich eine Frau mit gestriegeltem Haar, die sich sehr schön mit Juwelen, Perlen und Rubinen geschmückt hatte. Allâh hatte sie in großer Schönheit erschaffen. Diese Frau rief mich und sagte: ‚Halt, o Muhammad! Laß mich dir und deiner Gemeinde einen Rat geben.‘ Wir hielten nicht an, sondern setzten vielmehr unsere Reise fort, bis wir Jerusalem erreichten, und dies war wieder Allâhs Barmherzigkeit an mich und meine Gemeinde. Dort sah ich einen jungen hübschen Mann zu meiner Rechten. Als der Jüngling mich sah, kam er mir entgegen. Dieser junge Mann grüßte mich und umarmte mich und verschwand dann.“

Da fragte der heilige Prophet Muhammad (s) Jibrîl (as) nach einer Erklärung zu den Rufen, die er auf seinem Weg von Mekka nach Jerusalem gehört hatte.

Jibrîl (as) antwortete: „O Muhammad (s), der erste Ruf war von den Christen. Siehe! Wenn du ihnen geantwortet hättest, würde deine gesamte Gemeinde nach dir Christen werden.

Während der zweite Ruf von den Juden kam. Siehe! Wenn du ihnen geantwortet hättest, würde deine gesamte Gemeinde nach dir Juden werden. Die geschmückte Frau schließlich war die materielle Welt.

Und siehe! Wenn du ihrem Ruf geantwortet hättest, dann würde die Gesamtheit deiner Gemeinde diese zeitliche und materielle Welt statt des Ewigen und des Jenseits wählen. All diese Rufe kamen aus der Wüste in der Hölle aus einer Entfernung von 500 Jahren.“

Muhammad (s) fragte: „O mein Bruder Jibrîl (as), und was ist mit dem Jüngling, der mich grüßte?“

Jibrîl antwortete: „O Geliebter Allâhs, dieser Junge ist die Religion Allâhs des Allmächtigen, und wahrlich, deine Gemeinde wird bei dieser Religion bleiben und daran festhalten bis zum Tage des Gerichte. Al-hamdu lillâh.“

Dann führte Jibrîl Muhammad (s) in den Bayt al-Maqdis, wo er ihn zwischen einem Glas Wein, Wasser und Milch wählen ließ. Nachdem er die Milch gewählt und einen Teil davon getrunken hatte, sagte Jibrîl:

„Siehe, hättest du den Wein genommen, wäre deine gesamte Gemeinde vom rechten Weg abgekommen. Und siehe! Hättest du Wasser genommen, dann wäre wahrlich deine ganze Gemeinde verlorengegangen. Und siehe! Hättest du das ganze Glas Milch ausgetrunken, dann würde am Tag des Gerichts keiner von denen, die dir folgen, jemals in die Hölle eingetreten sein.“

Als Muhammad dies hörte, ersuchte er Jibrîl um einen Wunsch, indem er sagte: „O mein Bruder Jibrîl, gib mir das Glas Milch zurück, damit ich es ganz austrinken kann.“

Aber Jibrîl wies dies zurück und sagte: „Das kann nicht sein, o Muhammad! Das Gebot ist ausgesprochen, und die Feder hat geschrieben.“

Worauf Muhammad hinzufügte: „All dies ist in das Göttliche Buch der Geschicke geschrieben worden, das Buch Allâhs des Allmächtigen.“

Nach einigen anderen Quellen, berichtet von Bahiqi, Muslim und Nashruttîb, war es hier in Bayt al-Maqdis, Jerusalem, in der Al-Aqsa Moschee, daß sich alle früheren Propheten und Gesandten, angefangen von Adam bis ‘Îsâ, möge Allâh sie alle segnen, sich versammelt hatten in Erwartung der Ankunft des Propheten Muhammad (s). Bei seiner Ankunft erscholl der Ruf zum Gebet (âdhân), nach dem sich die Versammlung der Propheten, Gesandten und Engel in geordneten Reihen aufstellte und das gemeinsame Gebet hinter Muhammad als ihrem Imâm betete. Nach den Gebeten trugen die früheren Propheten und Gesandten ihre jeweiligen Predigten vor. Schließlich war der heilige Prophet Muhammad, der Stolz der Schöpfung, an der Reihe, und er sprach:

„Aller Preis sei Allâh, Der mich zu einer Barmherzigkeit für die Welten machte, einem, der den Menschen gute und schlechte Neuigkeiten bringt. Er gab mir den Qur’ân, welches ein vollständiges Buch der Führung ist, und ließ meine Nachfolger eine gemäßigte Gemeinde sein, die die ersten im Rang sind und die letzten in der Zeit. Er half mir bei meiner Aufgabe und Arbeit und ehrte meinen Namen und mein Andenken. Er ließ mich an Licht und Seele der erste sein und der letzte, der erscheint.“

Als der heilige Prophet Ibrâhîm (as) dies hörte, sagte er zu allen: „Was dies betrifft, so hat der geliebte Muhammad (s) euch alle an Rang, Ehre und Stufe übertroffen.

Aus diesen Gründen ist der heilige Prophet Muhammad (s) auch bekannt als der Imâm ul-Anbiyâ’, welches bedeutet, Meister der Gesandten und Propheten. Später traf er die Propheten einzeln in den Himmeln.

Quelle: way-to-allah


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