Die Nacht- und Himmelsreise (Al-Isra‘ wal Mi’radsch) (2/2)

Wunder der Nachtreise und der Himmelfahrt

Dies ist ein Wunder, das Allah dem Propheten zum Trost schenkte, weil innerhalb kurzer Zeit erst seine geliebte Gemahlin Hadiga und dann sein Onkel, die ihm immer Halt und Unterstützung gegeben hatte, verstarben. Einer Überlieferung zufolge verbrachte der Prophet jene Nacht im Hause seiner Tante Ummu Hany; sie berichtet, dass er ihr von seiner Reise erzählte, als sie ihn zum Frühlichtgebet weckte; nach einer anderen Quelle bemerkte seine Gattin ‘A’isha Muhammads Verschwinden, und die Banu ‘Abd al-Muttalib suchten ihn überall vergebens.

Dagegen, dass es sich um eine echte Abwesenheit handelt und nicht nur um eine geistige Reise oder einen Traum steht eine umstrittene Überlieferung ‘A’ishas, die da lautet: „Sein Körper wurde nicht vermißt, sondern Gott ließ seinen Geist reisen.“, sowie die Auslegung des Wortes „Ru’ia“ [17:62] als ‚Traumgesicht“ statt „Vision“. Doch schon at-Tabari räumt jeden Zweifel daran aus dem Weg:

· Der Prophet tritt seine Reise auf einem Reittier an, das seinem Führer Gibril folgt.

· Es wird ausdrücklich gesagt, dass Allah seinen Diener reisen läßt und nicht nur seinen Geist.

· Die Mushrikin hätten sich nicht so vehement dagegen gewehrt, ihm zu glauben, wenn es sich nur um einen Traum gehandelt hätte, da im Traum alles möglich ist.

In der Tat handelt es sich hierbei um ein Wunder, an dem sich sprichwörtlich die Geister scheiden: Einige Menschen, die sich zuvor zum Islam bekehrt hatten, fielen nun wieder vom Glauben ab, weil ihnen dieses Wunder zu unglaublich erschien. Sie suchten Abu Bakr auf und fragten ihn sarkastisch: „Hast Du nicht gehört, was dein Freund (nun schon wieder) behauptet?“

Abu Bakr hatte das Wunder noch nicht vernommen, und als sie ihm davon berichteten, sagte er: „Wenn er das tatsächlich gesagt hat, glaube ich daran. Wieso sollte ich so etwas anzweifeln, wenn ich glaube, dass er Offenbarungen vom Himmel bekommt?“ Seitdem trägt er den Titel as-Siddiq, der Wahrhaftige, der Treue.

Zur Nachtreise heißt es im Koran:

Erhaben ist Gott, der Seinen Diener nachts von der Heiligen Moschee in Mekka zur al-Aqsa-Moschee in Jerusalem führte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, um ihm einige Unserer Zeichen zu zeigen. Gott hört und sieht alles.“ [17:1]

Allah hatte Gibril befohlen, Muhammad um Mitternacht aufzusuchen. Als der Prophet aufwachte, grüßte ihn der Engel: „Friede sei mit Dir, edler Prophet! Allah möchte Dich einige Seiner Zeichen im Universum schauen lassen.“ Da folgte er ihm, und Gibril führte ihm das Reittier al-Buraq vor; er saß auf, und in „Lichtgeschwindigkeit“ trug es den Propheten zum Sinai, und der Engel zeigte ihm die Stelle, wo Allah einst zu Moses gesprochen hatte, bevor es seinen Ritt bis nach Jerusalem fortsetzte. Der Prophet stieg ab, und in der Moschee warteten bereits die anderen Propheten auf ihn, mit denen er als Imam betete. Dann wurden drei Becher vor ihn gestellt: Wasser, Wein und Milch. Er wählte den letzteren und trank davon, und Gibril versprach ihm: „Du wirst rechtgeleitet werden und dein Volk mit Dir.“ Hätte er das Wasser gewählt, wären sie ertränkt worden, hätte er sich für den Wein entschieden, dann wären sie verführt worden. (at-Tabari XV, 5)

Ibn Ishaq berichtet über die anschließende Himmelfahrt:

„Ein zuverlässiger Mann hat mir von Abu Sa‘id berichtet, dieser habe gehört, wie Muhammad erzählte: Als ich in Jerusalem das Nötige ausgeführt hatte, wurde mir eine Leiter gebracht, wie ich nie eine schönere gesehen habe. Es war die auf welche die Toten bei der Auferstehung ihre Blicke richten. Mein Freund ließ mich aufsteigen, bis wir an eines der Himmelstore kamen, welches das Tor der Wache heißt. Zwölftausendmal zwölftausend Engel hielten dort Wache.“

Isma‘il, unter dessen Befehl sie stehen, fragte nach dem Namen Muhammads und erkundigte sich, ob er wirklich ein entsandter Prophet sei. Auf die bejahende Antwort Gabriels wurde der Eintritt bewilligt. Im unteren Himmel saß ein Mann, dem die Seelen der Menschen vorgeführt wurden. Er freute sich über die eine und sagte: Eine gute Seele aus einem guten Körper gekommen; anderen machte er ein finsteres Gesicht und sagte: Eine hässliche Seele aus einem hässlichen Körper gekommen. Der Mann war Adam. Nun bekommt der Prophet die Strafen der Sünder zu sehen, die nach der Art des Verbrechens abgemessen sind. Die Veruntreuer von Waisengut müssen Feuer verschlucken; Wucherer mit gewaltigen Bäuchen werden von Krokodilen ins Feuer gejagt und zertreten; die Ehebrecher hatten vor sich gutes und stinkendes Fleisch, mussten aber vom letzteren Essen; Weiber, die ihren Männern fremde Kinder unterschoben hatten, waren an den Brüsten aufgehängt. Muhammad besuchte die folgenden Himmel, wo in jedem Himmel ein Prophet begegnete, (‘Isa, Yahia, Jusuf, ‚Idris, Harun, Musa und) im siebten Himmel Ibrahim. Dann wurde er ins Paradies geführt. Von den Paradiesfreuden und der Begegnung mit Allah schweigt der Bericht Abu Sa‘ids. In anderen Rezensionen (bei Ibn Ishaq von ‘Abdullah ibn Mas‘ud) führt Gabriel ihn zu seinem Herrn, der ihm fünfzig Gebete täglich vorschreibt. Auf Musas Rat brachte es Muhammad stufenweise auf fünf herunter. (3)

Aufstieg in den Ersten Himmel

Der heilige Prophet Muhammad (s) fuhr fort zu erzählen: „Da hielt Jibrîl mich fest, Brust an Brust, und bedeckte mich mit seinen Flügeln. Dann begannen wir die himmlische Leiter hinaufzuklettern. Auf unserem Weg erblickten meine Augen Menschen im Gebet, und ich sah auch Engel so viele an der Zahl, daß man sie nicht zählen konnte. Sie alle priesen und lobten Allâh den Allmächtigen. Dann sah ich sich drehende Sterne, und sie erschienen wie riesenhafte Gebirge. Schließlich erklommen wir den ersten Himmel, der as-Samâ’u d-Dunyâ (der untere Himmel) genannt wird. All dies geschah in der Kürze eines Augenblicks, und die Entfernung von der Erde bis zum ersten Himmel betrug eine Zeitspanne von 500 Jahren.“ …

Muhammad (s): „Dann öffneten sie die Tür, und wir traten hinein. Dieser Himmel ist wie Rauch, und er nennt sich Rafî‘ah (hochrangig). Es war kein Platz darin, seinen Fuß aufzusetzen, weil die Engel überall beteten, einige im ruku, der gebeugten Haltung, einige in sujjud, der Niederwerfung.

Hier sah ich zwei breite Flüsse, und ich fragte meinen Bruder Jibrîl: ‚Welche sind diese breiten Flüsse?‘ Er antwortete, daß es die Flüsse Nil und Euphrat wären. Und wahrhaftig entspringen ihre Quellen im ersten Himmel. Dann sah ich einen anderen Fluß, der eingezäunt war, und sein Zaun war geschmückt mit Perlen und Chrysolith. Ich ließ meine Hand spritzend durch den Fluß fahren und nahm einen starken Duft von Musk wahr, worauf ich Jibrîl (as) fragte, was für ein Fluß das wäre. Jibrîl erzählte mir, daß es der Fluß Kauthar war, den Allâh der Allmächtige mir geschenkt hatte.“

Der heilige Prophet fuhr fort: „Dann sah ich einen sehr großen Engel, reitend auf einem Pferd, das von leuchtendem Licht (nûr) erschaffen war. Dieser große Engel hatte den Befehl über 70000 andere Engel, und in Händen eines jeden von ihnen war eine Waffe, geschmiedet aus strahlendem Licht. Sie waren Soldaten Allâhs des Allmächtigen. Wenn jemand hier auf Erden eine Sünde begeht, dann macht einer dieser Engel eine Meldung.“ … Doch wenn er bereut, wird ebenso Allâhs Barmherzigkeit verkündet.

Der heilige Prophet traf Ismâ‘îl (as), den Verwalter des ersten Himmels, und nahm seine guten Wünsche entgegen.

„Dann lief ich nach vorne und sah einen anderen Engel, dessen Körper halb aus Eis und halb aus Feuer erschaffen war. Das Feuer schmilzt nicht das Eis, und das Eis erlischt nicht das Feuer. Sie sind beide zusammen. Dieser Engel hatte eintausend Köpfe. Auf jedem Kopf waren eintausend Gesichter, auf jedem Gesicht eintausend Münder, und in jedem Mund eintausend Zungen, die Allâh den Allmächtigen in je einer anderen Sprache priesen und lobten.“ …

Link zum Weiterlesen: http://www.wegzumislam.com/prophet/mohammad/ueberblick/240-die-nacht-und-himmelsreise-al-isra-wal-miradsch#wunder


Quelle: waytoAllah


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