Der Koran – Eine kurze Einführung

Über den Koran wird viel gesprochen. Jedoch fällt mir immer wieder auf, dass viele Menschen nicht einmal Grundkenntnisse über das heilige Buch des Islam besitzen. Im Folgenden einige wichtige Informationen:

Der Koran gilt der islamischen Tradition nach als das offenbarte Wort Gottes. Es handelt sich also nicht um inspiriertes Menschenwort, sondern um die wörtliche Offenbarung von Gott. Im Klartext heißt das: nicht Muhammad, der ohnehin Analphabet gewesen sein soll, ist der Verfasser des Koran, sondern Gott.

Als Überbringer der göttlichen Botschaften fungierte der Erzengel Gabriel. Den Quellenangaben nach soll Gabriel Muhammad erstmals in einer Nacht des arabischen Monats Ramadan im Jahre 610 in einer Höhle auf dem Berge Hira in der Nähe Mekkas, wohin sich Muhammad des Öfteren zurückzog, aufgesucht und ihm die ersten Verse (Sure 96, Verse 1-5) des Korans überbracht haben. Diesem Aufeinandertreffen liegt auch die Berufung Muhammads zum neuen Gesandten Gottes zugrunde, wie noch in einem späteren Artikel verdeutlicht werden wird.

Von diesem Zeitpunkt an überbrachte Gabriel dem Propheten bis zu seinem Tod im Jahre 632 in Medina regelmäßig Abschnitte der heiligen Schrift. Das heißt also, dass die Offenbarungen mit dem Tode Muhammads abgeschlossen waren. In seinem Auftrag wurden breite Teile des Korans vor allem durch Zaid ibn Thabit, der in der wissenschaftlichen Sprache auch gerne als Prophetensekretär bezeichnet wird, schon schriftlich festgehalten; viele Gefährten Muhammads pflegten die Texte aber nach altarabischer Sitte auswendig zu lernen und mündlich zu tradieren. Die ersten beiden Kalifen Abu Bakr (reg.632-34) und Umar (reg. 634-44) sammelten die niedergeschriebenen Texte, bevor der dritte Kalif Uthman (reg. 644-56) im Jahre 653 eine Redaktion vornehmen ließ, bei der eine Anordnung der Suren erfolgte und somit eine einheitliche Koranform entstanden ist.

Die Anordnung der insgesamt 114 Suren folgt dem Prinzip der Länge, wobei Ausnahmen enthalten sind. Sure 2 ist die längste, Sure 108 und 110 sind die kürzesten. Die erste Sure heißt al-Fatiha (die Eröffnende) und gilt als das wichtigste Gebet im Islam, das nicht nur den Hauptteil der Ritualgebete dominiert, sondern auch zu vielen verschiedenen Anlässen (Eheschließung, Tod etc.) vorgetragen wird.

Die Anordnung der Suren folgt also weder der chronologischen Reihenfolge ihrer Offenbarung noch ergibt sie einen fortlaufenden, zusammenhängenden Text. Somit ist jede Sure für sich zu betrachten. Jede Sure hat einen Namen, der entweder auf den Anfang oder den Inhalt der Sure Bezug nimmt.

Bis auf die neunte Sure leitet die Basmala-Formel „Im Namen Gottes des Erbarmers des Barmherzigen“ alle Suren ein, was als Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes verstanden wird.

Die islamische Tradition unterscheidet die einzelnen Suren nach dem Ort und der Zeit ihrer Offenbarungen (nuzul) und überliefert auch die Umstände und Anlässe, die zur Offenbarung der einzelnen Suren oder Abschnitte geführt haben soll, als die so genannten „Ursachen der Offenbarungen“ (asbab an-nuzul). Letzteres ist für die Koranexegese von großer Bedeutung, denn anhand der Gründe, die zu einem Korantext geführt haben, kann festgestellt werden, ob dieser Text nun einen historischen oder einen ewigen Charakter hat. Alleine den Koran zu lesen ohne die verschiedenen Suren oder Verse einordnen zu können oder die Hintergründe zu kennen, kann in vielen Passagen zu Irritationen und Missinterpretationen führen.

Weiter unterscheidet die Grobeinteilung zwischen mekkanischen Suren, die vor der Auswanderung nach Medina (610-622) offenbart wurden, und medinensischen Suren, die aus der Zeit nach der Auswanderung (622-632) stammen.

Der grundlegende Unterschied dabei ist, dass die in Mekka erfolgten Offenbarungen kurze, schwungvolle, durch Reimwörter stark rhythmisch geprägte Suren sind, die oft vom drohenden Jüngsten Gericht handeln. Die medinensischen Suren sind länger, in denen häufig ausführliche kultische oder rechtliche Vorschriften, z.B. über die Erbteilung angeführt werden.

Der Inhalt des Koran besteht größtenteils aus Verordnungen und Empfehlungen, Ermahnungen und Belehrungen, endzeitlichen Warnungen, Schilderungen und Ankündigungen des Jüngsten Gerichts, sowie Erzählungen von Propheten wie Abraham, Noah, David, Moses und Jesus. Letzteres soll nicht nur verdeutlichen, dass sich der Koran zu denselben Wurzeln wie Christentum und Judentum bekennt, sondern auch Muhammad zeigen, dass die Propheten vor ihm ebenfalls Anfeindungen von ihren Völkern ausgesetzt waren. Oft nimmt der Koran auch Bezug zu einem bestimmten Ereignis aus der Zeit Muhammads.

Des Weiteren vertritt der Koran Grundwerte wie Gerechtigkeit, Gemeinwohl vor Eigennutz, Verantwortlichkeit, Familiensinn sowie die Wertschätzung von Güte, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Aufrichtigkeit, Sauberkeit, Tapferkeit, Mitgefühl, Opferbereitschaft, Geduld, Fleiß, Bescheidenheit, Genügsamkeit und Ähnliches.

Die grundlegende Botschaft des Korans ist: Es gibt nur einen Gott, er ist der Schöpfer aller Dinge.

Zum Abschluss noch zwei kurze Erläuterungen:

Das Wort Koran ist von dem arabischen Verb qara`a- laut lesen, vorlesen, rezitieren abgeleitet und kann mit Rezitation, Lesung oder auch Vortrag übersetzt werden.

Wegen seiner Heiligkeit pflegen Muslime einen sehr vorsichtigen Umgang mit ihren Koranexemplaren. Es wird empfohlen sich einer Ritualwaschung zu unterziehen, bevor man im Koran lesen möchte. Zudem wird er meist an einem hohen Platz abgelegt.

Quelle: scilogs


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