Die Arten von Wundern

Es gibt insgesamt sechs Arten von Wundern: Irhas, Mu’giza, Karama und Ma’una (Beistand), die beiden letztgenannten können auch einem besonders frommen Diener Gottes zuteil werden, ohne jedoch einen Anspruch auf das Prophetentum anzukündigen; er selbst ist den Gesetzen eines Propheten unterworfen. Sie müssen mit guten Werken, gleichermaßen in Form von Bekanntem oder Unbekanntem, verbunden sein und in jedem Fall im Namen des rechten Glaubens geschehen.

Das Zeichen eines Lügenpropheten wird Ihana genannt, das eines Zauberers Istidrag (Betrug).

Für „prophetisches Wunder“ verwendet man meist den terminus technicus Mu’giza, obwohl dieses Wort weder im Koran noch in der Sunna vorkommt; im Koran heißt das Wunder ‚Aya, Zeichen, oder Burhan, Beweis. In den älteren Sunna-Werken ist auch die bereits erwähnte Bezeichnung Dala’il (an-Nubuwwa) geläufig; später setzte sich dann der Ausdruck Mu’giza durch. Mu’giza steht seitdem für das Wunder eines Propheten, das dieser nach seiner Sendung vollzogen hat.

Die Karama ist eine wundersame Tat, die Gott einem beispielhaften Gläubigen zu vollbringen erlaubt, der allerdings nicht mit dem Prophetentum bedacht wurde Eine Karama kann aber einem Propheten selbst widerfahren, indem sie noch vor seiner Sendung den „Grundstein“ zu seinem Prophetentum legt (Irhas li-n-nubuwwa), z.B. als Jesus noch als Kind in der Wiege zu sprechen anhebt, um seine Mutter zu verteidigen.

Eine Mu’giza muss folgende Eigenschaften aufweisen:

1) Es muss eine Tat sein, die durch Allah erfolgt, oder einer solchen Tat entsprechen, das bedeutet: Eine Unterlassung oder das Verhindern einer Tat zählt ebenso als Wundern, wenn sich der Wille Gottes darin äußert. Der Prophet sagte einmal: „Ich werde meine Hand aufs Haupt legen, ihr aber werdet es nicht können; dies ist mein Zeichen.“ In diesem Fall handelt es sich beim Unvermögen der Menschen, es ihm gleichzutun, um das eigentliche Wunder.

2) Die Tat muss den gewöhnlichen Lauf der Dinge, also die physikalischen und natürlichen Gesetze, durchbrechen; auch wenn zur damaligen Zeit noch nicht alle bekannt waren und nicht alle Menschen mit den bekannten vertraut waren, darf man einen gewissen Sinn für das Übernatürliche bei den Zeitgenossen der Propheten voraussetzen. Außerdem dürfte allein die Seltenheit einer solchen Erfahrung die meisten Augenzeugen in Erstaunen versetzt haben.

3) Das Wunder ist unnachahmlich.

4) Es geht aus den Händen eines Mannes hervor, der dadurch Anspruch auf das Prophetentum erhebt und seine Mitmenschen etwas für den Glauben an Gott Erbauliches schauen lässt.

5) Das Ergebnis muss den Ankündigungen des das Wunder wirkenden Propheten entsprechen und darf nicht anders ausfallen.

6) Das Wunder selbst darf seinem unmittelbaren Urheber nicht widersprechen. Würde beispielsweise einer Eidechse die Gabe des Sprechens verliehen, die dann aber sagte: „Du bist ein Schwindler!“, so würde dies nicht als Wunder gelten, sondern eher berechtigte Zweifel auf den „Wundertätigen“ lenken.

7) Das Wunder muss im selben Moment vollbracht werden, in dem es angekündigt wird.

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