Der Prophet im Umgang mit Kindern (2/2)

Der Prophet zeigte seine Liebe, indem er den Kindern über das Haar strich und Duâ für sie sprach. Er stand Kindern so nahe, dass er zuweilen, wenn er sie beim Wettrennen sah, sich ihnen anschloss und an ihrer Freude teilnahm. Zu einer Zeit, als Mädchen lebendig begraben wurden, verbreitete er als Prophet die Botschaft zwischen Töchtern und Söhnen nicht zu unterscheiden. Er machte deutlich, dass es eine große Sünde ist, Kinder zu töten, nur weil es sich um Töchter handelt. Er empfahl den Menschen ihre elterliche Liebe und Aufmerksamkeit gerecht zu verteilen. Muhammad (saw) zeigte seine Zuneigung mit seinen Worten und seinem Verhalten. Er sagte Kindern, dass er sie gern hat. Als ein Beduine sah, wie der Prophet ein Kind küsste, sagte er: „Du küsst die Kinder. Wir tun das nicht.“ Der Prophet antwortete: „Was kann ich dafür, wenn Allah die Barmherzigkeit aus deinem Herzen genommen hat?“11 Mit diesem Ausspruch verdeutlichte der Gesandte Gottes, dass ein Herz ohne Kinderliebe nicht barmherzig sein kann.

Dass der Prophet in der „Ungezogenheit eines Kindes ein Zeichen für Klugheit“ 12 sah und den Eltern empfahl, in solchen Fällen nicht sofort einzuschreiten 13, zeigt seine Toleranz gegenüber Kindern. Als der kleine Rafi bin Amr einst einen Dattelbaum mit Steinen bewarf, erwischte ihn der Gartenbesitzer dabei und brachte ihn zum Propheten, der ihn fragte: „Warum bewirfst du den Baum mit Steinen?“ Rafi antwortete: „Ich war hungrig und wollte meinen Hunger stillen.“ Der Prophet entgegnete: „Bewirf den Baum nicht mehr mit Steinen, sondern iss nur die Datteln, die unter dem Baum liegen“, strich Rafi über die Haare und sagte: „Allah sättige diesen kleinen Jungen.“14  Es wird berichtet, dass der Prophet mit seinem Enkel auf dem Rücken den Masdschid (Moschee) betrat. Wenn er sich niederwarf, setzte er ihn auf den Boden und hob ihn wieder auf, wenn er aufstand. 15 Einmal leitete er das Gebet und seine Enkelsöhne, Hasan und Husayn, die noch klein waren, spielten in seiner Nähe und kletterten auf seinen Rücken. Aus Angst, sie zu verletzen, wenn er aufstand, verlängerte der Prophet seine Niederwerfung (Sadschda). 16 Ein anderes Mal nahm er seinen Enkel Hasan während der Hutba in den Arm. 17 Ferner sagte er: „Es kommt vor, dass ich ein Gebet mit der Absicht beginne, es länger zu halten, aber dann höre ich ein Kind schreien und verkürze das Gebet, denn ich weiß, dass die Schreie des Kindes seine Mutter beunruhigen.“18

Die Barmherzigkeit, Liebe und Güte Muhammads (saw) umfasste ohne Ausnahme alle Kinder. Mit seiner bescheidenen Art kümmerte er sich bei jeder Gelegenheit um Kinder, spielte mit ihnen, grüßte sie, wenn er ihnen begegnete, fragte sie nach ihrem Wohlbefinden, tolerierte ihre Schwächen und besuchte sie in Krankheitsfällen. Er verbot es, während einem Kampf Kinder zu töten und Mütter in Kriegsgefangenschaft von ihren Kindern zu trennen. Er brachte seine Liebe zu Kindern offen zum Ausdruck und bezeichnete sie als Duft des Paradieses (Dschanna). Das Funktionieren einer Gesellschaft basiert auf der Eintracht zwischen den Ehepartnern und der Familienbildung. Die Familie ist die wichtigste Säule der Gesellschaft. Sie darf unter keinen Umständen außer Acht gelassen werden. Die Erziehung unserer Kinder, also unserer Zukunft, unserer Hoffnung, darf nicht dem Zufall überlassen werden. Familienleben und Kindererziehung bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit und eines steten Engagements.


Quellen:
1 Daylamî
2 Kutub as-Sitte, I. Canan, Bd. 15. S. 209
3 Madschmuaz-Zawâid Bd. 5, S. 135
4 Madschmuaz-Zawâid Bd. 5, S. 136
5 Ibni Mâdscha
6 Kutub as-Sitte, I. Canan, Bd. 2, S. 510
7 Kutub as-Sitte, I. Canan, Bd. 2, S. 496
8 Ramûz al-Hadith
9 Kutub as-Sitte, I. Canan, Bd. 2, S. 498
10 Tirmizî
11 Buchârî und Muslim
12 Munâvî
13 Munâvî
14 Ibni Mâdscha
15 Buchârî, Muwatta
16 Haythamî, Muwatta
17 Buchârî, Tirmizî
18 Buchârî


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