Sunna bedeutet Weg


Wörtlich bezeichnet Sunna das fließende Wasser, dass sich seine Bahnen gräbt. Vom Gesandten Gottes wird folgender Ausspruch überliefert: „Wer einen guten Weg geht, wird bis zum Tag des Jüngsten Gerichts einen Teil der Belohnung derjenigen erhalten, die ihm auf diesem Weg folgen. Wer einen schlechten Weg geht, wird bis zum Tag des Jüngsten Gerichts einen Teil der Strafe derjenigen erhalten, die ihm auf diesem Weg folgen.”

Die Sunna Muhammads (saw), ist ein neuer Weg, eine neue Richtung, eine von ihm geleitete Revolution. Die Sunna ist die Umsetzung des vom Koran vorgezeichneten Weges des individuellen und des gesellschaftlichen Lebens, der Familie, des Staates, des Rechts, der Kunst, der Politik, der Literatur, des Krieges und des Friedens, des Marktes, der Architektur, der Moral, der Kultur, der Zivilisation.


Bid’a dahingegen ist eine Gegenrevolution, der Versuch den Weg des „Siegels der Propheten” Muhammad (saw) zu verändern, das Bemühen, das klare Wasser göttlicher Herkunft zu trüben.

Eigentlich ging der als „Siegel der Propheten” bezeicnete Muhammad (saw) keinen völlig neuen Weg. Er leitete den Fluss, der seine Richtung änderte für immer in sein ursprüngliches Flussbett zurück. Er ging den Weg der Propheten vor ihm, belebte die Sunna der Propheten Nûh (as), Ibrâhîm (as), Mûsâ (as) und Îsâ. Aber er tat dies auf eine ihm eigene Art, mit Güte, mit Mut, mit Geschick und Stil.


Seine Art, sein Verhalten wurde uns zum Vorbild. Er selbst teilte gegen Ende seines Lebens folgendes mit: „Ich hinterlasse euch zwei Dinge: Das Buch Allahs und meine Sunna.”


Weshalb brauchen wir die Sunna?

Wir brauchen die Sunna, weil das „Wort” im Buch nicht unveränderlich ist. Worte können interpretiert, umgedeutet und erläutert werden. Wenn man das Wort durch ein Anwendungsbeispiel fetsigt, kann man die Wahrscheinlichkeit des – beabsichtigten oder unbeabsichtigten – falschen Verständnisses reduzieren.


Der Koran gebietet: „Verrichtet das Gebet.” Der Gesandten Gottes, von dem wir die Form des Gebetes lernten, sagte: „Verrichtet das Gebet so, wie ihr es bei mir seht.”Dass man fünf Mal am Tag beten soll, erkennt man im Koran nicht direkt. Die Sunna aber, erklärt es in klarer Weise, so dass die Umma die Gebete verrichtet, wie sie es vom Gesandten Gottes gesehen hat.

Sunna und Bid’a können nicht gleichzeitig existieren, denn sie schließen sich gegenseitig aus. Aber nicht alles Neue ist eine Bid’a, die als „eine Sunna aufhebender neuer Weg” definiert werden kann. Bid’a ist vielmehr eine Weise außerhalb des Weges und der Methode der Offenbarung Allahs und seines Gesandten zu verstehen, zu kommentieren und zu leben. Dies ist eine erfundene Interpretation des Dîn.


Die Sunna wiederzubeleben, in einer Zeit, in der die Bid’a zunimmt, der Weg des Gesandten Gottes verlassen und alternative Pfäde begangen werden, heißt, der Sunna neues Leben zu geben, dem getrübten Wasser klares Wasser zuzuführen.


Eine Geschichte

Ein Junge und ein älterer Mann saßen beim Essen. Als der Junge satt war, sagte er „Alhamdulillâh” und wollte sich gerade vom Tisch entfernen, als ihm der ältere einen leeren Teller reichte und „Willst du nicht die Belohnung von hundert Märtyrern erhalten?” fragte. Während der Junge den Teller säuberte, fragte er den Mann: „Wie kann es sein, dass ich esse und gleichzeitig die Belohnung von hundert Märtyrern erhalte?”  „Hast du denn nicht den Ausspruch des Gesandten Gottes gehört, mein Kind? Er sagte: „Wer von meiner Umma in Zeiten der Aufruhr meine Sunna wiederbelebt, erhält die Belohnung von hundert Märtyrern.”Über diese Erläuterung wunderte sich der Junge sehr.

Imâm Gazâli sagte: „Wir wurden mit der Verinnerlichung beauftragt, nicht mit bloßer Nachahmung.” Verinnerlichung heißt, als Model nehmen, ein Vorbild verfolgen, auf einem Pfad gehen. Die Sunna zu praktizieren, bedeutet, mit der selben Zielsetzung, im selben Umfang und auf die selbe Weise zu handeln wie der Gesandte Gottes, wobei der Sinn dieser Handlung verstanden werden muss.


Der Gesandte Gottes hat die Offenbarungen Allahs auf Leder, Steintafeln und Pergament aufschreiben lassen, diese aber nicht in einem Buch zusammenfassen lassen. Dies hat Abû Bakr (ra) vornehmen lassen. Der Gesandte Gottes verrichtete das Tarâwih-Gebet nicht in der Gemeinschaft. Unter Umar (ra) wurde dies aber eingeführt. Der Gesandte Gottes und seine ersten beiden Kalifen verkürzten die Plfichtgebete während der Hadsch von vier auf zwei Rakats. Usmân (ra) jedoch ordnete an diese Gebete vollständig zu verrichten, da er befürchtete, dass die Pilger nach der Hadsch in ihren Heimatländern das selbe tun könnten. Zur Zeit des Gesandten Gottes wurden Menschen, die Alkohol tranken nicht bestraft, sondern lediglich gewarnt. Umar (ra) allerdings wollte diese Angelegenheit regeln und hielt sich an das Urteil Alis (ra), der eine Strafe von achtzich Hieben vorsah. Er meinte: „Wer Alkohol zu sich nimmt, hat keine Kontrolle über sich und fängt an sich an der Ehre anderer zu vergreifen. Die Strafe für unehelichen Geschlechtsverkehr sind achtzich Hiebe. Deshalb ist es recht, diese Strafe auch für diejenigen anzuwenden, die Alkohol trinken.”


Die Gefährten des Gesandten Gottes haben nicht die Sunna aufgehoben, um eine Bid’a einzführen, sonder – im Gegenteil – gezeigt, wie man die Sunna widerbelebt und erneuert.

Unsere Not resultiert aus der Tatsache, dass wir uns von der Sunna, dem Weg des Gesandten Gottes, seiner Führung entfernen. Da wir nicht in der Lage sind, die Sunna wiederzubeleben und zu erneuern, wanken wir zwischen der vollständigen Aufgabe und veralteten Erscheinungen der Sunna.


Die Gelehrten, die Erben der Propheten, beleben und erneuern die Sunna in ihrer Zeit und Gesellschaft. Nun muss sich jeder fragen: „Ist mein Weg/meine Sunna zeitgemäß? Ist mein Wasser reines Quellwasser? Ist mein Weg der des Gesandten Gottes und seiner Gefährten?”

Quelle:igmg


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