Geduld und Dankbarkeit – Sabr und Schukr (1/3)

Die Gelehrten sind sich darüber einig, dass Sabr (Geduld) haben eine Pflicht ist. Sabr gehört zum Islam wie der Kopf zum Körper. Wer nicht Sabr hat, der hat keinen Iman (Glauben) und Allah erwähnt Sabr neunzig Mal im Koran, zum Beispiel:

2.153. O die ihr glaubt, sucht Hilfe in der Standhaftigkeit und im Gebet! Allah ist mit den Standhaften.

 

Sabr ist eine Voraussetzung, um ins Paradies einzutreten. Allah wird am Tag des Jüngsten Gerichts sagen:

 

23.111. Ich habe ihnen heute, dass sie standhaft waren, damit vergolten, dass sie die Erfolgreichen sind.

 

Allah erklärt auch, wann Sabr in unserem Leben gefragt ist:

 

2.177. … und diejenigen, die standhaft bleiben in Not, Leid und in Kriegszeiten, das sind diejenigen, die wahrhaftig sind, und das sind die Gottesfürchtigen.

 

Das ist aber nicht alles. Allah gibt diesen Gläubigen auch einen besonderen Schutz sowie Unterstützung:

 

8.46. … Und seid standhaft! Gewiß, Allah ist mit den Standhaften.

 

Sabr ist unbedingt notwendig, um in diesem Leben Zufriedenheit zu erlangen und im Jenseits die Errettung.

 

‘Amr Ibn ‘Uthman al-Makki (Radiallahu anhum/Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: “Sabr bedeutet in enger Beziehung zu Allah zu sein und eine Prüfung von Allah gelassen zu ertragen, ohne sich zu beklagen oder betrübt zu sein.“

 

Al-Khawwas (Radiallahu anhu) sagte: “Sabr bedeutet an den Geboten von Koran und Sunna (Sitten des Propheten, Sallallahu alayhi wa sallam/Allahs Friede und Segen seien auf ihm) festzuhalten.”

 

‘Ali Ibn Abi Talib (Radiallahu anhum) sagte: “Sabr bedeutet Allahs Hilfe zu erbitten.”

 

Es gibt zwei Arten von Klage (Schakwa):

 

Sich bei Allah zu beklagen widerspricht nicht dem Geduldigsein. Allah hat im Koran auch beschrieben, wie sich einige der Propheten bei Allah in schöner Weise beklagt haben.

 

So steht über Jakob (alayhi salam/Friede sei auf ihm): Er sagte: „Ich klage meinen unerträglichen Kummer und meine Trauer nur Allah (allein), und ich weiß von Allah her, was ihr nicht wißt.“ 12.86.

 

Und über Ayyub (alayhi salam) steht: Und (auch) Ayyub, als er zu seinem Herrn rief: „Mir ist gewiß Unheil widerfahren, doch Du bist der Barmherzigste der Barmherzigen.“ 21.83.

 

Der Prophet (Sallallahu alayhi wa sallam) klagte zu Allah: „O Allah, ich beklage mich bei dir über meine Schwäche und Hilflosigkeit.“

 

Aber sich bei den Menschen zu beklagen, sei es durch Worte oder durch Verhalten und Ausdruck, das ist nicht die Art eines Gläubigen.

 

Sabr braucht es in folgenden Situationen:

 

–    Bei der Anbetung Allahs

 

–    Bei der Vermeidung von schlechten Handlungen

 

–    Beim Ertragen von Allahs Vorbestimmung (Qada’ wa Qadr)

 

So sagte der Prophet Luqman (alayhi salam): „O mein lieber Sohn, verrichte das Gebet, gebiete das Rechte und verbiete das Verwerfliche und ertrage standhaft, was dich trifft. Gewiß, dies gehört zur Entschlossenheit (in der Handhabung) der Angelegenheiten.“ 31.17.

 

Da Sabr eine Pflicht ist, zeigt uns Allah, wie wir Sabr erreichen und stärken können. Immer wenn uns Allah etwas auferlegt, gibt Er auch passende Methoden und Hilfsmittel dazu. Jetzt braucht es Wissen und Handlungen. Durch Wissen erkennt der Gläubige den Nutzen von Allahs Anordnungen und mit etwas Willenskraft kann er seine spirituellen Ziele erreichen, denn er will die besonderen Fähigkeiten eines Menschen für ein erfülltes Leben ausschöpfen und nicht wie ein Tier leben. Dann schmeckt Sabr nicht mehr bitter, sondern süss und aus dem Schmerz wird Wohlbefinden.

 

Ein Gelehrter sagte: “Sabr bedeutet, dass die Vernunft und die Beweggründe stärker sind als die Gelüste und Begierden.” Also muss der Gläubige die Vernunft und die Beweggründe stärken und die Gelüste und Begierden schwächen, so wie er seinen Körper trainiert und seine Abwehrkräfte stärkt, damit er seine Gesundheit bewahren und Krankheiten vermeiden kann.

 

Beispielsweise, wenn jemand starke körperliche Bedürfnisse hat und seine Gedanken kreisen dauernd um Sex, aber er ist nicht verheiratet, dann kann er einzelne Tage fasten, weniger essen und aphrodisierende Lebensmittel vermeiden. Er sollte auch den Blick senken, nicht Frauen anschauen und möglichst bald heiraten.

 

Die Vernunft und die Beweggründe können gestärkt werden, indem man Allah gedenkt, Dem Allsehenden und Allhörenden. Wer Allah liebt, kann Ihm nicht ungehorsam sein. Wer die verbotenen Handlungen aus Liebe zu Allah unterlässt, hat einen höheren Status als jemand, der aus Liebe Anbetungen verrichtet. Es ist ein großer Unterschied, ob jemand Sünden vermeidet aus Liebe zu Allah oder aus Angst vor Seiner Bestrafung. Was für ein Gefühl, wenn man den Schaytan (Teufel) bezwungen hat und sich nicht hat verführen lassen, wofür es Belohnung gibt.

 

16.128. Gewiß, Allah ist mit denjenigen, die gottesfürchtig sind und Gutes tun.

 

Das ist wie bittere Medizin schlucken und dann gesund zu werden.

 

Außerdem ist es wichtig, sich des Todes bewusst zu sein, der jederzeit kommen kann, ohne Vorwarnung. Schlechte Gedanken müssen vertrieben werden, sonst können sie sich zu Hoffnungen und Wünschen entwickeln und wenn danach gehandelt wird, entsteht Schaden für sich selbst und vielleicht auch für andere.

 

Wenn man bedenkt, wie kurz dieses Leben im Diesseits ist, womit uns Allah testet, und was Allah an Belohnungen für die Gläubigen im Jenseits vorbereitet hat, dann ist es leicht, Sabr zu haben.

2.155. Und Wir werden euch ganz gewiß mit ein wenig Furcht und Hunger und Mangel an Besitz, Seelen und Früchten prüfen. Doch verkünde frohe Botschaft den Standhaften,

2.156. die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen: „Wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück.“

 

 

 

Hier und jetzt geht es darum, die Anordnungen von Allah zu befolgen und das Verbotene zu unterlassen, Schicksalsschläge zu ertragen und für Seine Gaben zu danken, wofür es Sabr braucht. Was auch immer uns im Leben trifft, ob es unseren Vorstellungen entspricht oder nicht, erfordert Sabr.

 

63.9. O die ihr glaubt, nicht ablenken sollen euch euer Besitz und eure Kinder von Allahs Gedenken. Diejenigen, die dies tun, das sind die Verlierer.

 

64.14. O die ihr glaubt, unter euren Gattinnen und euren Kindern gibt es welche, die euch feind sind; so seht euch vor ihnen vor.

 

Hier handelt es sich nicht um eine Feindschaft wegen eines Konflikts, sondern wegen der Liebe und Fürsorge, welche Eltern von ihren religiösen Pflichten abhalten kann.

 

Es ist schwieriger, in ruhigen Zeiten Sabr zu beweisen, weil man nach Lust und Laune handeln kann. Es ist leichter Hunger zu ertragen, wenn kein Essen verfügbar ist, als umgekehrt, wenn Essen vorhanden ist und jemand ist am Fasten.

 

Auch zur Ausführung der religiösen Pflichten braucht es Sabr, weil der Mensch zu Müßiggang neigt oder sich mit seinen Erfolgen brüsten will.

 

2.264. O die ihr glaubt, macht nicht eure Almosen durch Vorhaltungen und Beleidigungen zunichte, wie derjenige, der seinen Besitz aus Augendienerei vor den Menschen ausgibt und nicht an Allah und den Jüngsten Tag glaubt!

 

Am einfachsten kann man Sünden vermeiden, indem man schlechte Gewohnheiten und schlechte Freunde aufgibt. Die Gewohnheiten haben starken Einfluß auf das Benehmen und wenn noch Gelüste dazu kommen, dann sind gleich zwei Soldaten vom Schaytan (Teufel) damit beschäftigt, unsere Vernunft und die Beweggründe zu bekämpfen.

 

Im Leben hat man auch immer wieder mit Widrigkeiten zu kämpfen, wie Tod, Krankheit und Verlust. Wenn man schweres Ungemach erleidet, das nicht durch Menschen verursacht wurde, dann gibt es folgende Möglichkeiten:

 

–    Sich hilflos und unzufrieden fühlen, in Panik geraten und jammern.

 

–    Sabr beweisen für Allah oder als Zeichen der Stärke.

 

–    Die Situation mit Zufriedenheit ertragen, was mehr Wert ist als Sabr.

 

–    Die Situation in Dankbarkeit ertragen, was noch mehr Wert ist als mit Zufriedenheit. Das heißt, ein Ungemach als Gabe zu betrachten und Allah für die Erfahrung zu danken.

 

Wenn einem ein Mensch Ungemach bereitet hat, dann gibt es folgende Möglichkeiten:

 

–    Vergeben und vergessen.

 

–    Auf Vergeltung verzichten.

 

–    Das Schicksal tragen (Qada’ wa Qadr), wohl wissend, dass die Person ein Übeltäter ist, aber nur mit Erlaubnis von Allah.

 

–    Den Übeltäter gut behandeln, was viele Vorteile und Nutzen bringt, die aber nur Allah vollständig kennt.

 

Und schließlich kann sich jemand auch freiwillig für etwas entschließen, das dann aber aus dem Ruder läuft und ihm Schaden bereitet, wie Liebe oder Drogen, wo es besser ist Sabr zu haben und gar nicht damit anzufangen.

 

Was auch immer passiert und den Menschen betrübt, das beste Rezept hat der Prophet Jakob (alayhi salam) gegeben, als seine Söhne ihm die erschütternde Nachricht von seinem jüngsten Sohn Benjamin überbrachten.

12.83. … (Es gilt) schöne Geduld (zu üben).

Admin

Quelle: Ibn Qayyim al-Jawziyyah aus der englischen Übersetzung von “Uddat as-Sâbireen wa Dhâkirat ash-Shâkireen” ©1997 TA-HA


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