Ist weniger Fleisch essen islamischer?

Bei vielen Muslimen ist Fleisch Bestandteil ihrer Mahlzeit beim Fastenbrechen; viel Fleisch. Doch wie islamisch ist der Fleischkonsum?

Laut Scheich Hamza Yusuf haben die Muslime früher so wenig Fleisch gegessen, dass sie fast Vegetarier waren. „Fleisch ist keine Notwendigkeit gemäß der Scharia und die Muslime – wer es sich leisten konnte, die Mittelschicht – aßen gewöhnlich einmal pro Woche am Freitag Fleisch. Die Armen – an den Id.“

Heutzutage hat der Fleischkonsum eine neue Dimension erreicht, wo bei vielen Muslimen Fleisch täglicher Bestandteil ihrer Nahrung ist. Kürzlich erzählte mir ein ägyptischer Journalist von einem Nachtessen einer Organisation in Kairo. Als die Leute eintrafen ertönte es von allen Seiten im Saal: „Wo ist das Fleisch? Wir haben nicht genug Fleisch für alle.“

Nach der Untersuchung durch eine ägyptische Regierungsbehörde essen 89% der Ägypter mehr als 2 Kilo Fleisch pro Monat. Diese Zahl steigt mit der Position in der Gesellschaft. Reiche Ägypter essen gewöhnlich jeden Monat mehr als 8 Kilo Fleisch.

Der Prophet Muhammad ﷺ hat nicht den täglichen Fleischkonsum propagiert. Im Gegenteil soll er seine Gefährten vor regelmäßigem Fleischkonsum gewarnt haben, da er zu einer Sucht werden konnte. Scheint als ob seine Warnung 1500 Jahre später nicht mehr beachtet wird.

Frühere islamische Führer und Gelehrte haben immer wieder daran erinnert, die Tiere zu pflegen und gut zu behandeln. Aber heutzutage sind viele Muslime der Auffassung, Tiere seien Besitz der Menschen. Ein Scheich von der ägyptischen Behörde für religiöse Angelegenheiten sagte: „Tiere sind zum Nutzen der menschlichen Bedürfnisse. Sie sind da, um von uns gegessen zu werden und Vegetarismus ist kein islamisches Thema.“

Nach der Meinung von Gamal al-Banna – ein angesehener islamischer Gelehrter, der in letzter Zeit für seine „liberale“ Haltung unter Beschuss geriet – widerspricht diese Aussage eines Regierungsvertreters allem, für das der Prophet ﷺ eingestanden ist. Al-Banna sagte mir, ein Vegetarier und Muslim zu sein würde gegen keine Regel verstoßen und sei keineswegs unislamisch.

„Wenn jemand zum Vegetarier wird, dann macht er dies aus einer Anzahl von Gründen: Mitgefühl, Umwelt- und Gesundheitsgründen,“ fängt er an. „Als Muslim bin ich überzeugt, dass der Prophet ﷺ gesunde Anhänger wollte, die mitfühlend sind und nicht unsere Umwelt zerstören. Wenn jemand findet, dies durch den Fleischverzicht zu erreichen, dann ist es unwahrscheinlich, dass er deswegen in die Hölle kommt. Es könnte ein richtiger Entscheid sein.“

Al-Banna antwortete auf meine Frage nach dem Tieropfer von Id al-Adha – das viele als obligatorisch erachten – dass kein Muslim, der sich für den Vegetarismus entschieden hat, ein Schaf schlachten muss. „Die heutige moderne Zeit hat Auswirkungen auf Ideen und Religionen und der Islam ist keine Ausnahme. Wir müssen nicht an einem einengenden religiösen Verständnis festhalten und blindlings alles akzeptieren, auch nicht das Töten von einem Lebewesen. Es gibt keine Pflicht zu töten.“

Gegner vertreten die Ansicht, dass der Fleischkonsum im Islam Tradition hat und somit Vegetarismus im Mittleren Osten etwas Fremdes sei. Muslime essen zu jedem Iftar (die Mahlzeit nach dem Fasten) in diesem Monat Fleisch mit der festen Überzeugung das Richtige zu tun. Andererseits ist die Vorstellung, Tiere seien nur zum Nutzen der Menschen, nicht nur für Tierschützer absurd, sondern widerspricht auch den Lehren der Propheten.

Einige mögen einwenden, dass das Dua vor der rituellen Schlachtung der islamische Beweis für Mitgefühl bei der Tötung von Tieren zum Essen sei. Das mag früher zugetroffen haben, aber nicht in den heutigen halal Schlachthöfen, wo ein aufgezeichnetes Dua unaufhörlich abgespielt wird, während die Tiere anstehen und getötet werden. Das ist ein Affront gegen die Lehren des Islam für eine würdige Schlachtung.

Aber schlussendlich ist die Begründung einfach. Im Koran 6:38 steht, dass alle Tiere fühlende Lebewesen sind, so wie es die Menschen auch sind.

Es gibt kein Tier auf der Erde und keinen Vogel, der mit seinen Flügeln fliegt, die nicht Gemeinschaften wären gleich euch.

Muslimvillage.com von Joseph Mayton

Übersetzt durch

Der wahre Islam


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