Der hohe Standard der Umgangsformen im Islam

Platz machen für Neuankömmlinge in einer Versammlung, ist eine Regel des höflichen Benehmens, die der Prophet Muhammad ﷺ lehrte, weil es eine Eigenschaft des Islam ist. Es ist ein Zeichen der Freundlichkeit und gegenseitigen Zuneigung unter den Muslimen.

Allah Subhanahu wa Ta`ala sagt in der Sura Al-Mujadila: „O ihr, die ihr glaubt, wenn in Versammlungen zu euch gesagt wird: „Macht Platz!“ – dann macht Platz; Allah wird ausgiebig Platz für euch machen. Und wenn gesagt wird: „Erhebt euch!“ – dann erhebt euch; Allah wird die unter euch, die gläubig sind, und die, denen Wissen gegeben wurde, um Rangstufen erhöhen. Und Allah ist dessen wohl kundig, was ihr tut.“ (11)

Dieser Koranvers ist eine göttliche Leitlinie und Maßregel für soziales Verhalten, womit Verstimmungen vermieden werden und Geborgenheit sowie Freundschaftlichkeit unter den Teilnehmern verbreitet werden, so dass sie von der Veranstaltung möglichst viel Nutzen ziehen können. Dies gilt für Versammlungen, Gesellschaften, Gruppen und Runden. Die erste Regel ist, Platz für Neuankömmlinge zu machen, ihnen die Möglichkeit zum Sitzen zu geben, damit sie sich willkommen und aufgenommen fühlen. Das verbreitet eine friedliche Stimmung und entwickelt ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Der Gesandte Allahs ﷺ war bei seinen Gefährten (Sahaba) so beliebt, dass sie versuchten, möglichst nah bei ihm zu sitzen und sie zögerten nicht, einander den besten Platz streitig zu machen. Darum wurde dieser Vers (Aya) offenbart, um soziales Verhalten und Benimmregeln bekanntzumachen. Qatadah Radiallahu anhu, einer der großen Nachfolger (Tabi`in) aus der ersten Generation nach den Gefährten, sagte zu diesem Vers, dass er wegen Lehr- und Diskussionsveranstaltungen mit dem Gesandten Allahs ﷺ offenbart wurde, bei denen die Gefährten sehr ungern Platz machten, wenn sie jemanden kommen sahen, und darum Allahs Anweisung einander Platz zu machen.

Mehrere Überlieferungen des Propheten ﷺ handeln von der Vorzüglichkeit in einer Versammlung Platz zu machen. In einer der Überlieferungen sagte Ibn Umar Radiallahu anhuma: „Es soll keiner aufstehen, nur damit ein anderer an seinem Platz sitzen kann. Es ist besser, zusammenzurücken oder den Kreis auszuweiten.“ (Bukhari und Muslim) In einer anderen Version bei Ahmad heißt es: „… sondern macht Platz und Allah wird euch Platz machen.“

Wenn für jemanden Platz gemacht wird, soll ihn dieser annehmen und sich neben denen hinsetzen, die ihn gemacht haben und ihnen danken. Der Prophet ﷺ sagte: „Wenn die Leute ihren Platz einnehmen und einer einen (muslimischen) Bruder ruft und für ihn Platz macht, dann soll ihn dieser nehmen. Es ist eine großzügige Geste, die ihm angeboten wird, so soll er sich dort setzen.“ (Tabari)

Für Neuankömmlinge bei Versammlungen Platz zu machen, zeugt von gepflegtem Benehmen, das vom Propheten Muhammad ﷺ gelehrt wurde und eine Eigenschaft des Islam ist. Es ist ein Zeichen von Freundlichkeit und gegenseitiger Zuneigung der Muslime. Es ist sowohl eine Höflichkeit als auch eine gute Tat. Wenn jemand spät in einer Lerngruppe eintrifft, so sollen die Anwesenden Platz machen, damit sich der Verspätete setzen und lernen kann, statt ihn abzuweisen mit der Begründung, dass es keinen Platz gäbe oder es zu eng sei und ihn der Gelegenheit zu lernen zu berauben. In einem Hadith wird erzählt, dass während Allahs Gesandter ﷺ saß, sich drei Leute näherten. Einer fand einen freien Platz und setzte sich. Ein anderer setzte sich hinter den Anwesenden. Der Dritte kehrte um und ging. Allahs Gesandter ﷺ sagte: „Soll ich euch von den Dreien berichten? Der Erste nahm Zuflucht bei Allah, während der Zweite schüchtern war und sich hinter den Menschen setzte. Der Dritte wandte sich ab und so hat sich auch Allah von ihm abgewendet.“

Wir sollen nicht die Menschen trennen, denn Allahs Gesandter ﷺ sagte: „Es ist niemandem gestattet, zwischen zwei Personen ohne ihre Zustimmung zu trennen.“ (Abu Dawud und Tirmithi) Eine Trennung könnte diesen Unannehmlichkeiten bereiten, weil sie etwas verbindet oder weil sie etwas Privates besprechen wollten. Darum kann eine Trennung – indem sich einer dazwischen setzt – sie stören.

Der Prophet Muhammad ﷺ sagte auch: „Keiner von euch soll jemanden zum Aufstehen veranlassen und sich dann an seinen Platz setzen.“ (Bukhari) Derjenige, der zuerst an einem Platz saß, hat ein Vorrecht auf ihn. Die beste Art sich einer Gruppe anzuschließen ist sich neben den Letzten zu setzen. Jabir Ibn Smurah Radiallahu anhuma sagte: „Wenn wir beim Propheten ﷺ teilnahmen, haben wir uns hinten angeschlossen, um niemanden zu stören.“ (Abu Dawud)

Eine weitere Anstandsregel bei Versammlungen ist es, die Anwesenden beim Eintreten zu grüßen.

Der Prophet ﷺ sagte: „Beachtet die Person nicht, die beim Eintreffen nicht grüßt.“ (Abu Ya`la) Es gibt viele Hadithe zum Thema der Gewohnheit des Grüßens. Der Prophet ﷺ rief auf: „O Leute! Verbreitet den Friedensgruß. Bietet Essen an. Pflegt Kontakt mit euren Blutsverwandten. Und betet, während die Menschen schlafen. Und ihr werdet in Frieden im Paradies zugelassen.“ (Tirmithi)

Beim Verlassen einer Gruppe gebührt es für einen Muslim den Friedensgruß zu sagen, weil der Prophet ﷺ sagte: „Wenn einer von euch zu einer Versammlung kommt, soll er (die Anwesenden) grüßen. Und wenn er geht, während andere noch sitzen bleiben, soll er (sie) grüßen. Denn der erste (Gruß) ist nicht mehr Pflicht als der letzte.“ (Ahmad und Abu Dawud)

Wenn sich Muslime besuchen, dann sollen sie nicht übermäßig lang bleiben. Sobald sie erreicht haben, für was sie gekommen sind, sollen sie gehen, um dem Gastgeber keine Unannehmlichkeiten zu bereiten. Darum hat Allah Subhanahu wa Ta`ala gesagt: „Und wenn gesagt wird: „Erhebt euch!“ – dann erhebt euch;“ (Koran 58:11) Das bedeutet, dass wenn jemand aufgefordert wird zu gehen, er dies tun soll. Abdurrahman Ibn Zaid Radiallahu anhuma sagte: „Die Leute haben sich im Haus des Propheten ﷺ versammelt und wenn sie gehen wollten, wünschte sich jeder, ihn ﷺ als Letzter zu verlassen. Das machte es für Allahs Gesandten schwierig. Darum wurden sie aufgefordert zu gehen.“

Es gebührt sich für den Muslim, wenn er mit anderen sitzt, auf eine sittsame Art zu sitzen. Er soll nicht grundlos um sich schauen, damit er nicht verdächtig erscheint oder Skepsis auslöst. Und er soll sich nicht unnötig den Hals säubern.

Wenn jemand niest und dann Allah lobt (Alhamdulillah), sollen die Anwesenden mit einem Bittgebet um die Barmherzigkeit Allahs für ihn antworten. Beim Gähnen muss der Mund bedeckt werden und weiteres Gähnen ist so gut wie möglich zu unterdrücken. Man soll beim Sitzen nicht den anderen den Rücken zuwenden. Außerdem sollen in einer Dreierrunde nicht zwei ein vertrauliches Gespräch führen und den dritten ausschließen.

Zum Schluß soll die Versammlung mit dem Bittgebet enden, das in einem Hadith des Propheten ﷺ von Abu Hurairah Radiallahu anhu berichtet wurde: „Wenn jemand in einer Versammlung mit viel leerem Gerede teilnahm und vor dem Aufstehen sagt: ‚Lob und Preis sei Dir mein Herr. Niemand hat das Recht angebetet zu werden außer Du. Ich bitte um Deine Vergebung und bereue zu Dir.‘ dann wird ihm Allah vergeben, was er in der Versammlung tat (leeres Gerede).“ (Tirmithi)

Artikel von Ahmad Al-Batili aus „Al Jumuah Magazine“ 23-03, einer monatlichen Publikation über das Leben des Muslim, die religiöse Themen muslimischer Familien überall auf der Welt anspricht.

Übersetzt durch

Der wahre Islam

 


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