Die Ruhe im Herzen

Manchmal verzweifeln wir beinahe; das ständige Auf und Ab unseres Iman (Glaube), die sich wiederholenden Sünden, das Gefühl die Barmherzigkeit Allahs gar nicht zu verdienen.

Die Prüfungen fühlen sich an wie Strafen. Dazu kommt die dauernde Sorge um die Zukunft: die Heirat, das Geld, die Karriere, die Nation … Einige Schwierigkeiten scheinen unüberwindbar. Als Muslim soll ich mir diese Frage nicht stellen, aber im Hinterkopf steckt die Frage: Warum ich?

Wir wissen alle, dass wir niemals an der Barmherzigkeit Allahs zweifeln dürfen. Es wirkt auch so, als ob wir dies nicht tun, aber der Schaytan (Teufel) hat seine Tricks. Darum verzweifeln wir dann an uns selbst und unserer Unfähigkeit, etwas zu verändern, vor allem die innere Unruhe, die wir fühlen. Im Endeffekt läuft es wieder darauf hinaus, an der Barmherzigkeit Allahs zu zweifeln. Wir glauben nicht immer daran, dass Allah uns aus der Lage, in der wir uns befinden, befreien kann und dass wir mit den Sorgen nicht Leben müssen. Allah bestraft uns nicht immer und erwartet von uns nicht, perfekt zu sein.

Das heißt aber auch nicht, dass wir uns nicht anstrengen müssen und uns nicht selbst zur Rechenschaft ziehen müssen, wenn nicht alles rund läuft. Die Lösung besteht darin, in schwierigen Zeiten unsere Beziehung zu Allah zu verbessern. Wenn wir unseren Schöpfer kennen, dann gibt es keine hoffnungslose Lage. Keine Traurigkeit währt ewig. Wir sollen die Prüfungen als das nehmen, was sie sind, ein Gradmesser unseres Vertrauens in Allah, eine praktische Anwendung unseres Wissens, die uns Allah näher bringt. Es kann schon sein, dass eine Prüfung eine Strafe ist. Wir erkennen dies daran, dass wir uns ablehnend verhalten und uns enttäuscht von Allah abwenden. Aber durch ein ehrliches Bewusstsein unserer Lage sowie das richtige Verständnis der Barmherzigkeit Allahs können wir aus dieser Strafe etwas Positives gewinnen, nämlich die Tauba (Reue) für unsere Verfehlungen gegenüber Allah und die Vermehrung der guten Taten, um die schlechten auszulöschen.

Die erste Übung besteht darin, sich Allahs Wissen bewusst zu sein. Was auch immer uns Sorgen bereitet und egal welche Schwierigkeiten wir durchstehen, wir müssen verstehen, dass wir nie alleine sind. Selbst wenn wir das Gefühl haben, die ganze Welt, ja sogar unsere Nächsten hätten uns vergessen, Allah ist immer nah. Er sagt es uns im Koran Sura Ta Ha 20:46:

Er sagte: „Fürchtet euch nicht. Ich bin gewiss mit euch, Ich höre und Ich sehe (, was geschieht).“

Solange wir erkennen, dass Allah mit uns ist, gibt es eine Lösung für unsere Sorgen. Wir müssen Allah kennen, damit wir eine Beziehung aufbauen können. Wir müssen auch wissen, was wir machen können, um die Nähe zu Allah zu spüren. Außerdem gibt es ein paar Dinge, die wir anstreben können, um eine gute Beziehung zu Allah aufrechtzuerhalten.

Eine Beziehung zu Allah aufbauen

Im Juli 2006 schaute ich eine Nachrichtensendung über die verheerenden Angriffe von Israel auf den Libanon. Als ich die schrecklichen Bilder sah und die Hilferufe hörte, war ich von Frustration und Hilflosigkeit erschüttert. Darum beschloß ich zu beten indem ich im Koran las. Beim Lesen kam ich zu der Aya in Sura Al‑Baqara 2:214:

Oder meint ihr etwa, dass ihr in den (Paradies)garten eingehen werdet, noch bevor Gleiches über euch gekommen ist, wie über diejenigen, die vor euch dahingegangen sind? Not und Leid widerfuhr ihnen, und sie wurden erschüttert, bis dass der Gesandte und diejenigen, die mit ihm glaubten, sagten: „Wann kommt Allahs Sieg?“ Aber wahrlich, Allahs Sieg ist nahe.

Das war die Antwort. Als Mensch werden wir getestet. Das heißt aber nicht, dass unser Lebensweg von Schwierigkeiten gepflastert ist. Zweifellos ist die Hilfe von Allah nah. Was bedeutet es dann, wenn wir durch schwierige Zeiten gehen? Ist Allah auf uns böse? Was wäre, wenn es keinen Ausweg gäbe?

Wenn wir Schwieriges durchmachen, dann müssen wir etwas mit Sicherheit wissen. Allah sagte es uns im Koran in der Sura At‑Talaq 65:7:

Allah gibt mit der Schwierigkeit Erleichterung.

Unser einziges Ziel ist Allahs Zufriedenheit und das Paradies zu erreichen. Es gelingt aber keinem von uns, Ihm so zu dienen, wie es Ihm gebührt.

Manche Schwierigkeiten sind so belastend, dass wir an nichts anderes mehr denken können. Wir müssen aber bedenken, dass wir unfähig sind, die Gnaden Allahs aufzuzählen. Wenn wir auf all das schauen, was wir an Gaben erhalten, dann können wir die Prüfung im tatsächlichen Gesamtzusammenhang einordnen. Alleine die Fähigkeit eine Niederwerfung machen zu können und „o Allah“ zu rufen, ist eine Gnade, die alles übertrifft.

Warum braucht es überhaupt Prüfungen?

Es steckt eine Weisheit hinter der Prüfung, die in einem Zusammenhang mit unserem inneren Zustand und unserer Beziehung zu Allah steht. Allah hat 99 Namen und es ist gut für uns zu wissen, dass Er Der Allerbarmer, Der Gerechteste und Der Allweise ist. Die Prüfung ist nicht von irgendwoher gekommen, sondern von Allah, der uns näher ist als unsere Halsschlagader.

Die Prüfungen sind ein Mittel für unsere Reinigung. Der Prophet ﷺ sagte: „Niemals wird der Muslim Anstrengung, Krankheit, Trübsal, Kummer, Übel oder Schaden erleiden, sogar wenn ihn nur ein Dorn sticht, ohne dass Allah ihm dies als Sühne für seine Sünden zurechnet.“ (Sahih Al-Bukhary)

Unser einziges Ziel ist Allahs Zufriedenheit und das Paradies zu erreichen. Es gelingt aber keinem von uns, Ihm so zu dienen, wie es Ihm gebührt. Viele von uns vergessen regelmässig um Vergebung zu bitten oder die eigene Lage zu überprüfen und zu Allah zurückzukehren. So belastend diese Prüfungen auch sein mögen, sie werden unsere Last am Jüngsten Tag erleichtern, wenn wir sie mit Geduld ertragen.

Schwierigkeiten können uns auch an den Sinn des Lebens erinnern. Wir entfernen uns manchmal von Allah. Durch diese Schwierigkeiten kommen wir oft wieder zurück in Seine Nähe. Wenn uns eine Unachtsamkeit passiert, kann uns die Prüfung daran erinnern, dass wir ganz alleine sind und niemanden haben außer Ihn.

Wenn wir schon nahe bei Allah sind, dann ist es ein Mittel, um unsere Wiederstandsfähigkeit zu testen. Sind wir nur nah bei Allah, wenn es uns gut geht oder bleibt unser Vertrauen auch in schwierigen Zeiten bestehen? Falls wir getestet werden, hören wir dann auf, Gutes zu tun? Allah beschreibt solche Menschen in der Sura Al-Hadsch 22:11:

Und unter den Menschen gibt es manchen, der Allah nur am Rande dient. Wenn ihn etwas Gutes trifft, ist er damit beruhigt, doch wenn ihn eine Versuchung trifft, macht er eine Kehrtwende. Er verliert das Diesseits und das Jenseits. Das ist der deutliche Verlust.

Das mag seltsam anmuten, aber auch Prüfungen sind ein Beweis für Allahs Liebe. Der Prophet ﷺ sagte: „Wenn Allah einen Seiner Diener liebt, dann prüft Er ihn.“ (At-Tirmidhi) In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Allah Jibril alayhi Salam (Engel Gabriel) beauftragte, mit der Erfüllung des Dua (Bittgebet) eines Dieners zu warten, weil Allah es liebte, seine Stimme zu hören. (At-Tabarani)

Manchmal ist die Folge einer Prüfung mit schlaflosen Nächte und Tränen von Herzen die Erkenntnis der eigenen Bedürftigkeit nach Allah.

muslimvillage.com von Jinan Bastaki

Übersetzt durch

Der wahre Islam


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