Das Mitleid des Propheten mit denjenigen, die ihn schmähten

Der Prophet ﷺ begann mit dem Aufruf zum Islam zu einer Zeit, wo niemand in Arabien an Menschenrechte dachte – Macht geht vor Recht – und der Paganismus in der Gesellschaft fest verwurzelt war. In diesem Umfeld verkündete der Prophet Muhammad ﷺ die Lehre von Gerechtigkeit, Friede, Menschenrechten, Tierschutz und sogar Umweltschutz, wie es ihm von Allah – Dem Einzigen, Wahren Schöpfer des Universums – befohlen wurde.

Allah hat uns in der Person des Propheten Muhammad ﷺ ein Vorbild für freundschaftliches Verhalten gegeben. Er hat Freunde und Feinde, Männer und Frauen, Junge und Alte freundlich und respektvoll behandelt.

Selbst als die götzenanbetenden Araber auf die Lehren des Propheten ﷺ mit abgrundtiefem Hass reagierten, zeigte er sich liebevoll und freundlich.

Die folgenden Beispiele aus dem Leben des Propheten ﷺ lehren uns, wie wir mit Feindlichkeiten umgehen sollen.

Wir erkennen die duldsame Gesinnung des Propheten ﷺ am Fall der alten Frau, die jeweils ihren Abfall auf den Weg warf, wenn der edle Prophet Muhammad ﷺ an ihrem Haus vorbei ging.

Über diese Nachbarin wird berichtet, dass sie alles gab, um den Propheten ﷺ mit dem Abfall zu provozieren, den sie jeden Tag vor seine Füße warf. Eines Tages, als er sein Haus verließ, fehlte der Abfall. Der Prophet ﷺ erkundigte sich nach der Frau und erfuhr, dass sie krank war. Also besuchte er sie und bot ihr seine Hilfe an, falls sie was brauchte. Die alte Frau war tief gerührt und schämte sich für ihr Verhalten, während der Prophet ﷺ so um sie besorgt war.

Nachdem sie das beispiellose Mitgefühl des Propheten Muhammad ﷺ gesehen hatte, war sie überzeugt, dass der Islam – den der Prophet ﷺ lehrte – die wahre Religion sein musste.[1]

Ein weiterer Fall aus dem Leben des Propheten ﷺ beschreibt seine Reise zu dem benachbarten Dorf Taif.

In Taif hoffte er Leute zu finden, die empfänglich für Allahs Botschaft waren. Aber die Bewohner von Taif stellten sich als genauso hasserfüllt heraus wie die Leute in Mekka. Die Dorfältesten hatten einen Plan für die Bloßstellung des Propheten ﷺ geschmiedet. Um ihre Ablehnung deutlich zu machen und den Propheten ﷺ zu hindern den Islam zu lehren, hetzten sie eine Gruppe Kinder und Schurken auf ihn. Diese behelligten ihn und bewarfen ihn mit Steinen. Erschöpft, alleingelassen und verletzt suchte er in einem nahegelegenen Garten Schutz. Er gehörte Atabah und Shaibah, beides vermögende, hochstehende Persönlichkeiten der Quraisch.

Sie waren beide dort und saßen unter einem Baum in der Nähe, als der Prophet ﷺ ankam. Der Prophet ﷺ schaute zum Himmel und betete: „O Allmächtiger! Ich wende mich an Dich und beklage meine Schwäche, Hilflosigkeit und Schmach, die ich erlitt. O Barmherziger! Du bist der Herr aller Unterdrückten; Du bist mein Allah! Wem übergibst Du mich? Den Fremden, die mich misshandeln oder den Feinden, welche die Oberhand haben? Wenn all das, was mich befallen hat, nicht wegen Deinem Zorn ist, dann habe ich keine Angst. Zweifellos ist Dein Schutz und Deine Sorge für mich genügend. Ich suche Zuflucht in Deinem Licht, das die Dunkelheit erhellt und die Angelegenheiten des Diesseits und Jenseits ordnet; möge Dein Missfallen und Dein Zorn mich nicht treffen. Für Dein Wohlgefallen bin ich zufrieden und meinem Schicksal ergeben. Nichts auf dieser Welt ereignet sich ohne Deine Erlaubnis.“

Atabah und Shaibah beobachteten ihn. Sie riefen ihren Bediensteten Adaas und gaben ihm einen Teller voll Trauben. „Bring ihn dem Mann unter dem Baum,“ befahlen sie ihm. Und so brachte er die Trauben dem Propheten Muhammad ﷺ.

Der Prophet ﷺ nahm die Trauben und sagte: „Bismillahir Rahmaanir Rahim“ (mit dem Namen Allahs, Dem Allerbarmer, Dem Barmherzigen). Adaas hörte dies zum ersten Mal. Es beeindruckte ihn, dass der Prophet ﷺ die Barmherzigkeit des Allmächtigen pries.

„Wer bist du?“ fragte Adaas. Der Prophet ﷺ antwortete: „Ich bin der Gesandte Allahs. Von wo kommst du?“

Der Bedienstete sagte: „Ich bin Adaas, ein Christ. Ich komme aus Nainava.“

„Nainava? Dann bist du von dem Ort, wo mein Bruder Yunus Bin Mati (Jonas, Sohn des Mati) lebte,“ sagte der Prophet ﷺ.

Adaas war erstaunt, diesen Namen zu hören.

„Was weißt du über Yunus? Hier scheint ihn niemand zu kennen. Sogar in Nainava findet man kaum zehn Personen, die den Namen seines Vaters kennen.“

Der Prophet ﷺ sagte: „Ja, ich kenne ihn, weil er so wie ich ein Prophet des Allmächtigen Allah war.“

Adaas fiel vor dem Propheten ﷺ auf die Knie, küsste seine Hand und umarmte ihn.

Es wird auch berichtet, dass – als der Prophet Zuflucht vor der steinewerfenden Horde suchte – der Engel Gabriel alayhi Salam zum Propheten ﷺ kam und sagte, falls er es wünschte, werde er den Befehl erteilen, den Ort unter zwei herabstürzenden Bergen zu begraben. Obwohl der Prophet ﷺ unter diesen Leuten ziemlich gelitten hatte antwortete er, dass er für die Bewohner von Taif keine Zerstörung wünschte, da möglicherweise ihre Nachkommen die Religion der Wahrheit anerkennen würden.[2]

Der islamische Gelehrte Imam Ghazali Rahimahullah (1058–1111 n. Chr.) fasste die von ihm gesammelten Informationen zu diesem Thema wie folgt zusammen:

„Zorn war für ihn etwas Unbekanntes. Er zeigte immer gleich Mitleid mit allen. Er begegnete allen Leuten mit seiner sehr zuvorkommenden Art. Er war der Zuversichtlichste aller Menschen und der Hilfsbereiteste sowie Nützlichste für die anderen.“[3]

Im Koran steht, dass der Prophet ﷺ als Barmherzigkeit für die Menschheit gesandt wurde. Wir können dem Propheten ﷺ Ehre erweisen, indem wir uns seine guten Charaktereigenschaften aneignen und uns Gefühlsausbrüche aus Ärger und Zorn versagen.

IslamiCity.com

Übersetzt durch

Der wahre Islam


[1] Abdul Wahid Hamid, Islam the Natural Way (2004). GB: Muslim Education and Literary Services.

[2] Al-Bukhari und Muslim

[3] Imam Ghazali, Ihya’u Ulumiddin, Band 2


Kommentare

Eine Antwort zu „Das Mitleid des Propheten mit denjenigen, die ihn schmähten“

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