Vorschläge für das muslimische Heim

Es gibt ein paar Sachen, die das Leben der Muslime in ihrem Heim erleichtern und die oft auch mit wenig Aufwand in einer westlichen Wohnung umgesetzt werden können.

Das muslimische Heim darf großzügig sein. Es spricht nichts dagegen, wenn man sich hier etwas gönnt, weil es ein Ort ist, wo man sich einigen edlen Aktivitäten widmet und auch ein Rückzugsort von den allgegenwärtigen Ablenkungen. Sich hier einzuschränken bringt kaum Vorteile; man macht sich unnötig das Leben schwer.

Der Eingangsbereich soll soweit möglich keinen Einblick in die Wohnung erlauben. Ein Vorhang oder ein Gegenstand kann als Sichtschutz dienen. Falls man den Eingang etwas schmücken möchte, eignen sich Kalligraphien, sei es mit dem islamischen Gruß, dem Dua beim Betreten bzw. Verlassen des Hauses oder einer Aya aus dem Koran. Wichtig ist eine Klingel oder eine Einrichtung, womit sich der Besucher melden und um Einlass bitten kann.

Die Fenster sollen zweckmäßig sein, das heißt einerseits die Privatssphäre schützen und andererseits den Luftaustausch gewährleisten. Konventionelle Vorhänge oder moderne Alternativen sind eine Dekoration und bieten wenn nötig Schutz.

Das muslimische Heim muss auch allen Familienmitgliedern eine angemessene Privatssphäre gewähren. Es braucht mindestens ein Zimmer für die Eltern, eines für die Mädchen und eines für die Knaben. Wichtig sind Badzimmer und Toiletten, wenn möglich mehrere und vorzugsweise Toilette getrennt von der Dusche bzw. der Badewanne. Schliesslich braucht es noch eine Küche und ein Wohnzimmer. Wünschenswert ist auch ein Gästezimmer oder gleich zwei, eines für die Frauen und eines für die Männer. Eine Gästetoilette wäre ideal.

Die Gastfreundschaft ist im Islam legendär und eine geeignete Infrastruktur kann dazu beitragen, dass Gäste gerne empfangen werden und nicht zu einer Belastung für das Familienleben werden. Darum sollten Gästezimmer in der Nähe des Eingangs sein und etwas abgeschirmt von den Privaträumen, so dass die Mitglieder der Familie nicht gestört werden, was dazu führen könnte, dass die Gastfreundschaft nicht mehr gepflegt wird. Falls die Platzverhältnisse separate Gästezimmer erlauben, können diese Zimmer von der Familie auch als zusätzliche Wohnräume genutzt werden, beispielsweise als Bibliothek.

Falls die Familie eine Haushaltshilfe hat, die auch im Haus wohnt, dann sollte sie ein möglichst abseits gelegenes Zimmer und ein eigenes Badzimmer haben, um ihre Privatssphäre zu respektieren. Es sollte selbstverständlich sein, dass diese in der gleichen Qualität sind, wie der Bereich der Familie.

Die Schlafräume sind idealerweise so konzipiert, dass der Schlafende auf die Qibla gerichtet ist, wenn er – wie vom Propheten ﷺ empfohlen – auf der rechten Seite liegt. Schlimmstenfalls sind seine Füße auf die Qibla gerichtet, was zwar verpönt ist, aber es ist nicht eine Sünde. Eine komfortable Einrichtung kann zu übermäßigem Schlafen und Faulheit führen. Daher ist eine einfache, zweckmäßige Möblierung vorzuziehen. Falls auf einen Fernseher nicht verzichtet werden kann, so wäre der schlechteste Standort im Schlafzimmer.

Es gilt zu beachten, dass der Muslim bei der Benützung der Toilette weder seinen Rücken noch sein Gesicht auf die Qibla richten möchte, auch wenn es keine Sünde ist, so ist es doch ein Thema mit verschiedenen Meinungen. Einige der Gelehrten sind der Ansicht, dass die Empfehlungen nicht für Toiletten in Gebäuden gelten. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Verfügbarkeit von Wasser in Toiletten geschenkt werden, damit der Muslim seine Sauberkeit leicht einhalten kann. Wie bereits oben angedeutet, wäre es wünschenswert, einen Waschraum zu haben, der von der Toilette getrennt ist, um Ghusl und Wudhu machen zu können (Ganzkörperwaschung bzw. rituelle Waschung vor dem Gebet).

Der Küche darf man ansehen, dass Muslime essen um zu leben und nicht leben um zu essen. Essen ist ein Mittel nicht ein Ziel. Damit die Frauen bei ihrer Arbeit nicht gestört werden, kann sie in der hintersten Ecke der Wohnung sein, so dass sich die Frauen jederzeit frei bewegen können, auch wenn Fremde im Haus sind. Gute Lichtquellen und ausreichend Frischluftzufuhr sind sehr wichtig.

Der Glanzpunkt in einem muslimischen Heim ist ein Musalla, ein Raum oder eine Ecke in einem Zimmer, reserviert für das Gebet und andere Formen der Ibadah, dem Gedenken Allahs. Der Mihrab (Gebetsnische) könnte mit einer schlichten Dekoration hervorgehoben sein. Gebetsteppiche und Mushaf (Der edle Koran) wären immer verfübar. Gerade auf Kinder kann dies eine positive Wirkung haben, eine unvergessliche Tradition, die sie später vielleicht auch in ihrem Heim pflegen werden.

Die Lebensqualität kann durch einen Sitzplatz im Garten oder auf dem Balkon gesteigert werden. Hier braucht es ein paar Vorkehrungen, damit die Frauen ausreichend vor fremden Einblicken geschützt sind.

Falls es bei der Planung des muslimischen Heims genügend Freiraum gibt, ist es selbstverständlich, dass die Natur und ihre Ressourcen auf optimale Weise einbezogen werden. Bei Beachtung der Bahn der Sonne, der Topografie und der Windrichtungen können natürliche Energien für Wärme, Kühlung und Beleuchtung genutzt werden. Nicht zu unterschätzen sind die verwendeten Baumaterialien, die den Wohnkomfort und die Gesundheit entscheidend beeinflussen. Individuelle Wünsche der Familie sind bei der Auswahl des Standortes zu erfüllen. Nebst Luftqualität, Lärmpegel und Verkehrslage sind die Nachbarn ausschlaggebend.

Ein Muslim schadet seinen Nachbarn in keiner Weise. Dabei geht es nicht nur um Lärm oder Gerüche. Der Muslim will seinem Nachbarn auch nicht das Sonnenlicht oder die Luft wegnehmen. Er hat es nicht nötig, mit seinem Haus zu protzen. Er fügt sich friedlich in eine bestehende Nachbarschaft ein.

Nicht vergessen darf man die Bedürfnisse von älteren oder behinderten Menschen, seien es die Eltern, Gäste oder Mitglieder der eigenen Familie.

Quelle: Suggestions for Designing and Building Muslim Houses (IslamiCity) aus dem Buch “Islam and Housing” von Dr. Spahic Omer aus Bosnien, zur Zeit wohnhaft in Malaysien, als Professor tätig an der Kulliyyah of Architecture and Environmental Design, International Islamic University Malaysia.

IslamiCity.com

Übersetzt durch

Der wahre Islam


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