Die Schlacht von Kerbala 2/4

Das Mär­ty­rer­tum der Söhne von Imam Hasan

Die aufblühende Blume aus dem Garten der Haschmi – Qasim – der Sohn von Hasan war gerade mal neunzehn Jahre jung. Er stellte sich respektvoll vor Imam Hussain. Imam Hussain erkundigte sich: „Was gibt es Qasim?“ Er antwortete: „Als mein Vater im Sterben lag, gab er mir ein Amulett (Ta’wiz) mit der Anweisung: „Es wird eine Zeit kommen, wo mein Bruder Hussain in großen Schwierigkeiten sein wird, dann öffne dieses Ta’wiz, lese es und handle danach.“ Welcher Zeitpunkt könnte entscheidender sein als dieser? Also öffnete ich das Ta’wiz und darin steht: „Lieber Sohn, bei der Schlacht von Kerbala, wenn die Zeit gekommen ist, lass nicht Ali Akbar vor dir zum Kampf gehen, sondern geh du zuerst und opfere dein Leben auf dem Weg Allahs.“ O Onkel! Ich bin gekommen, um um Erlaubnis zu bitten, damit ich den letzten Wunsch meines Vaters erfüllen darf.“ Imam Hussain kämpfte mit den Tränen und sagte: „Ich sehe, wie du die Erinnerungen an meinen Bruder aufleben lässt. Wie kann ich es zulassen, dass du gehst und getötet wirst?“ Qasim flehte: „O Onkel, wenn ich nicht gehe und Ali Akbar stirbt vor mir als Märtyrer, wie werde ich am Tag des Gerichts vor meinem Vater stehen?“ Weil Qasim darauf bestand, gab Imam Hussain ihm schweren Herzens die Erlaubnis und verabschiedete sich mit Tränen in den Augen.

Ein Kämpfer aus den Reihen des Feindes – Hamid Bin Muslim – fasste es in die Worte: „Als Qasim hervor kam, war es, als ob der Mond am Horizont aufgegangen wäre. Er trug keine Rüstung und erwartete sehnlich das Mär­ty­rer­tum. Er forderte die Kämpfer von Yazidi heraus: „O Feinde des Islam, ich bin Qasim Bin Hasan Bin Ali, eines der Lichter aus der Familie von RasulAllah ﷺ. Schickt, wen ihr zum Kampf mit mir ausgewählt habt.“

Amr Bin Sa’ad wies einen schwergewichtigen Kämpfer namens Arzaq an, die Herausforderung anzunehmen, aber er lehnte ab mit der Begründung, es sei seiner unwürdig mit einem Kind zu kämpfen. Amr konterte: „Nenne ihn nicht ein Kind; er ist der Sohn von Hasan, dem Sohn von Ali, der einhändig das Tor der Festung Khyber aus den Angeln hob. Obwohl er seit drei Tagen hungert, wird es kein Leichtes sein mit ihm zu kämpfen.“ Arzaq beharrte darauf nicht zu kämpfen und schickte stattdessen seinen ältesten Sohn, mit der Überzeugung, dass er innerhalb von Minuten den Kampf für sich entscheiden würde. Aber nach wenigen Minuten war die Situation umgekehrt. Arzaq’s Sohn lag sterbend auf dem Boden und Qasim hatte sein Schwert. Das versetzte seinen zweiten Sohn in Rage und er ging auf Qasim los, aber auch er fiel schon dem ersten Angriff von Qasim zum Opfer und ging zur Hölle. Nun stürzte sich der dritte Bruder mit Kraftausdrücken um sich werfend in den Kampf. Qasim bemerkte: „Es ist nicht die Art von Ahl ul-Bait (Leute des Hauses – die Familie des Propheten ﷺ) auf vulgäre Reden mit vulgären Worten zu antworten, dafür werde ich dich zu deinen Brüdern schicken.“ Mit einem Schlag wurde er in zwei Stücke geteilt. Den vierten und letzten Sohn von Arzaq traf das gleiche Schicksal.

Arzaq bebte vor Wut und Furcht. Sein ganzer Stolz war gebrochen. Nun war er gezwungen, selber dem Löwen von Haschmi gegenüberzutreten. Er trat zum Kampf an und brüllte leere Drohungen, wie „sei bereit zu sterben.“ Qasim erwiderte: „Ihr habt den Verstand verloren Arzaq, wir sind aus dem Blut der Löwen von Allah, ihr seid nichts im Vergleich zu uns.“ Sie griffen einander mit Speeren an, aber beide trafen daneben. Dann wurden die Schwerter gezogen. Als der Kampf begann, lachte Qasim Arzaq zu und rief: „Ihr habt sogar vergessen die Zügel eures Pferdes zu befestigen, aus Angst mit mir zu kämpfen. In dem Augenblick, da Arzaq sich beugte, um auf die Zügel zu blicken, versetzte Qasim ihm einen letzten Schlag und teilte ihn in zwei Stücke.

Qasim stieg auf sein Pferd und eilte zum Lager von Imam Hussain rufend: „O Onkel! Durst, Durst. Wenn ich eine Schale Wasser haben kann, werde ich all diese Feinde zur Hölle schicken.“ Imam Hussain antwortete: „Halte nur noch ein wenig durch mein Sohn; bald wirst du deinen Großvater ﷺ treffen, der dir ein Getränk aus dem Becken von Kausar reichen wird, wonach du nie wieder durstig sein wirst.“ Qasim kehrte zurück zum Kampfplatz. Amr schrie zu seinen Leuten: „Umzingelt und tötet ihn.“ Qasim wurde von allen Seiten von den Feinden angegriffen, aber er gab nicht auf. Er kämpfte erbittert und hatte schon siebenundzwanzig Wunden an seinem Körper; bis endlich Shish Bin Sa’ad mit einem Speer durch seine Brust stach. Während er vom Pferd stürzte rief er: „O Onkel! Komm und sei bei mir.“

Als Imam Hussain seine Rufe hörte, rannte er zu ihm und sah, wie der junge Körper mit Wunden bedeckt war. Er legte den Kopf von Qasim in seinen Schoss und begann den Staub von ihm abzuwischen. Qasim öffnete die Augen und bemerkte seinen Kopf im Schoss des Imam. Er lächelte und seine gesegnete Seele verließ seinen Körper. Inna Lillahi wa Inna Ilaihi Raji’un.

Das Mär­ty­rer­tum des Fahnenträgers

Der Fahnenträger von Imam Hussain – Abbas Bin Ali radiyAllahu anhu – kam zu ihm und fragte um Erlaubnis zu kämpfen. Er sagte auch: „Ich kann es nicht mehr länger mitansehen, wie Ali Asghar und andere Kinder verdursten. Bitte erlaube mir, einen Beutel Wasser vom Fluss zu holen. Imam Hussain antwortete: „Wie kann ich dir erlauben zu gehen, wo du mein Fahnenträger bist?“ Aber Abbas wiederholte seine Bitte und bestand darauf, gehen zu dürfen. Imam Hussain umarmte ihn und gab ihm die Erlaubnis zu gehen. Abbas stieg auf ein Pferd und machte sich auf den Weg zum Fluss. Als die Feinde erblickten, dass Abbas sich dem Fluss näherte, versperrten sie ihm den Weg. Abbas schrie: „O Kufaner! Fürchtet Allah und schämt euch RasulAllah ﷺ gegenüberzustehen. Es ist bedauernswert, dass ihr zuerst Imam Hussain einladet und ihn dann betrügt. Und jetzt habt ihr euch seinen Feinden angeschlossen und seine Familienmitglieder und Gefährten getötet. Und als wäre dies nicht genug, quält ihr kleine Kinder und Säuglinge der Familie von RasulAllah ﷺ, indem ihr ihnen nicht einmal einen einzigen Tropfen Wasser erlaubt, so dass sie verhungern und verdursten. Überlegt euch doch, wie wollt ihr RasulAllah ﷺ am Tag des Gerichts treffen?“ Aber die Verräter erwiderten, dass auch wenn die ganze Welt mit Wasser gefüllt wäre, er trotzdem keinen Tropfen davon erhalten würde. Abbas erregte sich und brüllte wie ein Löwe: „Hussain wird sich selber opfern, aber er wird sich nie den grausamen Tyrannen ergeben.“

Die Feinde griffen von allen Seiten an, aber Abbas ritt weiter, bis er mit seinem Pferd im Fluss war. Er füllte seinen Wasserbeutel und wollte gerade einen Schluck nehmen, als er sich der durstigen Kinder im Lager erinnerte. Er konnte es nicht ertragen, dass er seinen Durst löschen würde, während die gesegneten Kinder der Familie von RasulAllah ﷺ durstig blieben. Also hängte er den Wasserbeutel über seine Schulter und ritt zum Lager. Es gab eine Aufruhr: „Stoppt ihn, stoppt ihn. Wenn dieses Wasser das Lager von Hussain erreicht, dann wird keiner von uns überleben.“

Obwohl er von allen Seiten angegriffen wurde, wollte Abbas um jeden Preis das Lager erreichen und so kämpfte er so erbittert, dass überall Körper fielen und sich das Blut in Strömen auf die Erde ergoß. Doch dann wurde er getäuscht und von Hinten angegriffen – von einem Mann, der Zararah genannt wurde – und seine rechte Schulter wurde von seinem Körper abgeschlagen. Er nahm den Wasserbeutel in seine linke Hand und kämpfte auch noch mit dieser Hand. Er erlitt einen weiteren Angriff von Naufil Bin Arzaq und diesmal wurde seine linke Hand von seinem Körper getrennt. Nun hielt er den Wasserbeutel mit seinem Mund, aber das Wasser sollte das Lager nicht erreichen. Ein Pfeil traf den Beutel und alles Wasser ging verloren. Bald erlag er den andauernden Angriffen, fiel auf die Erde und rief: „O Bruder! Sei bei mir.“

Imam Hussain rannte zu ihm und fand seinen Körper von Blut überströmt und er war dem Märtyrertod sehr nahe. Bei diesem Anblick rief Imam Hussain aus: „Nun ist mein Rücken gebrochen.“ Bald darauf verließ die Seele den Körper und Imam Hussain trug ihn ins Lager. Inna Lillahi wa Inna Ilaihi Raji’un.

Tareekh e Karbala

Übersetzt durch

Der wahre Islam


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