Die Familie im Islam 1/2

Die westliche Gesellschaft befindet sich, gesamthaft gesehen, in einer tiefen sozialen Krise. Der Grund dafür ist hauptsächlich der Familienzerfall durch säkulare Kräfte. Die Familie bildet das Fundament einer Gesellschaft, das stark oder schwach ist entsprechend der Stärke oder Schwäche der Familie. Wenn diese schwach ist, dann kann diese Schwäche durch nichts wettgemacht werden. Darum bewegt sich der Westen, unabhängig von seiner momentanen Kraft, einem katastrophalen Ende zu.

Der Zerfall der westlichen Familien schreitet mit einer besorgniserregenden Geschwindigkeit voran. Steigende Scheidungsraten bringen den Westen an die Weltspitze. 2014 befanden sich die USA mit 53% auf dem 10. Platz der Rangliste, die von Belgien mit 71% angeführt wurde. Bei einer Bevölkerung von 320 Millionen ergibt sich die rechnerische Trennung eines Ehepaars alle 6 Sekunden – unglaublich!

Weniger als die Hälfte der amerikanischen Kinder leben in einer Erstheiratsfamilie. Die am stärksten zunehmende Form der Familie ist die alleinerziehende Mutter. Die beiden größten Probleme unter Teenagern sind Schwangerschaft und Drogenmissbrauch. 2012 waren 89% der Schwangerschaften im Alter von 15-19 außerhalb der Ehe. Oft werden die Neugeborenen jemandem vor die Türe gelegt oder in eine Mülltonne geschmissen. Man könnte damit fortfahren die Probleme, unter denen die westliche Gesellschaft leidet, aufzulisten, wozu auch der Alkoholkonsum und andere Drogen zählen, die sich ungünstig auf die Familie auswirken.

Aber wir wollen uns mit der islamischen Familie beschäftigen und ihrer Wichtigkeit für die Muslime.

Ich werde Ismail Faruqi zitieren, ein bedeutender islamischer Intellektueller, Professor für Religion an der Temple University und Gründer des International Institute of Islamic Thought in Herndon, Virginia (USA).

Er stellte fest: „Die islamische Familie – richtig islamisch – entspricht ziemlich dem Ideal, das westliche Leute anstreben. Mit anderen Worten, die heutige Realität im Westen entspricht genau dem Gegenteil.

Wir wollen einige der Gründe für das Wohlbefinden in einer islamischen Familie mit der westlichen Familie vergleichen.

Schon bevor die islamische Familie gegründet wird, wirkt es sich segensreich aus, dass es keine intime Beziehung vor der Heirat gibt. Damit sind die Muslime geschützt vor dem Schaden der sexuellen Freizügigkeit, die im Westen grassiert. Es ist eine der Ursachen der Verbreitung von Geschlechtskrankheiten.

In der westlichen Gesellschaft ist die Jungfräulichkeit zu einer Rarität geworden. Die Jugendlichen sind frei zusammen und haben sexuelle Beziehungen wie sie wollen; auch mit mehreren Partnern. Und diese Gewohnheit geht auch nach der Heirat weiter. Dementsprechend ist die Untreue in der Ehe weitverbreitet. Ein Vater kann sich nicht sicher sein, dass die geborenen Kinder auch wirklich seine sind, was ihn emotional zerstört. Bei den Frauen führt dies oft zu Teenagerschwangerschaften und unverheirateten Müttern.

Im Islam werden den Frauen und Männern unterschiedliche Rollen zugeteilt. Darum steht eine Frau nicht im Wettstreit mit ihrem Mann, sondern sie ergänzen sich gegenseitig. So steht es im Koran:

Die Männer haben in voller Verantwortung für die Frauen aufzukommen, weil Allah den einen gegenüber den anderen Vorzüge (für die Frauen) gewährt hat, und von ihrem Vermögen (das sie, die Männer, durch ihre Arbeit erworben haben) für die Familie auszugeben. Darum sind die rechtschaffenen Frauen (Allah) demütig ergeben und hüten das zu Verbergende, weil Allah (es) hütet. (Sura al-Nisa 4:34)

Im Islam ist die Führung der Familie dem Mann auferlegt, weil Allah ihn mit entsprechend stärkerer körperlicher und emotionaler Kraft und Ausdauer ausgestattet hat. In dieser Funktion sind die Männer zusätzlich zu ihrer Familie auch für die Versorgung aller Frauen in der Verwandtschaft verantwortlich.

Dagegen machte Allah die Frauen biologisch und psychologisch geeignet für das Heim und die Familie mit allem, was dazugehört, damit diese Institution und die angrenzenden Bereiche funktionieren und sich entwickeln können.

Das ist eine beachtliche Verantwortung und niemand anderes kann sie ihr abnehmen oder ihr annähernd gerecht werden.

Ich zitiere Khurshid Ahmad, einen anderen bemerkenswerten islamischen Intellektuellen:

„Die Arbeit der Niederkunft ist unvollständig ohne den noch kritischeren Teil der Kindererziehung – Ausbildung, Gesinnung, Charakterentwicklung und Einführung in Religion und Kultur. Als Folge davon ist die Familienbetreuung eine Vollzeitarbeit. Keine andere Institution kann diese Arbeit abnehmen; auch nicht mehrere zusammen.“

Allerdings bewirken die unterschiedlichen Rollen und Arbeiten von Frauen und Männern keinen Unterschied auf die Person als Mensch. Keiner der Beiden ist besser oder höher gestellt.

Im Koran wird an verschiedenen Stellen auf die Gleichheit von Frau und Mann vor Allah und bei der Rechenschaft im Jenseits hingewiesen. Beispielsweise:

Wer aber, sei es Mann oder Frau, etwas an rechtschaffenen Werken tut, und dabei gläubig ist, jene werden in den (Paradies)garten eingehen, und es wird ihnen nicht ein Dattelkerngrübchen Unrecht zugefügt. (Sura al-Nisa 4:124)

 

Siraj Islam Mufti, Ph.D. ist Journalist und Autor. Dieser Artikel wurde als Freitags-Khutbah gehalten und ist Teil seines bald erscheinenden Buches über Familie und Islamische Zivilisation voraussichtlich im November 2015. Seine zwei bisherigen Bücher sind Muslims At The Crossroads, 2012 und Basic Islamic Dynamics, 2015

 

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Übersetzt durch

 Der wahre Islam

 


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