Islam und die Schönheit 1/2

Schönheit gehört zum Wesen des Menschen, egal ob es natürliche oder von Menschen kreierte Schönheit ist. Darum wird seit Menschengedenken auf allen möglichen Ebenen – und mit unterschiedlichem Erfolg – versucht, das ästhetische Bedürfnis der Menschen zu befriedigen. Die Menschen werden immer versuchen, ihre Talente und Fähigkeiten dazu einzusetzen, die Harmonie, Ausgewogenheit und all die Pracht der Welt einzufangen und ästhetische Sachen zu kreieren, die Umgebung zu gestalten oder sie auf sonst irgendeineweise zum Ausdruck zu bringen.

Und Er lehrte Adam die Namen alle. (Koran Sura Al-Baqara 2:31) Man ist vesucht daraus zu verstehen – und Allah weiß es am besten – dass Allah Adam, dem ersten Menschen und Propheten auf dieser Erde, die Beschreibung und Qualitäten sowie den Sinn und Zweck aller Sachen auf der Erde lehrte. Weil Allah schön ist, das Schöne liebt und die Quelle aller Schönheit ist und weil somit alles Ästhetische und was dazu gehört von universeller Existenz ist, könnte alles, was damit zusammenhängt, zu den Sachen gehören, die Allah Adam lehrte.

Aus islamischer Sicht hat die Schöpfung zwei Seiten, eine materielle und eine spirituelle, so dass sie für das Diesseits und das Jenseits sowie den irdischen und außerirdischen Lebensabschnitt dient. Im Koran werden sowohl eindeutige als auch undefinierbare Begriffe verwendet, beispielsweise: (Er ist) der Kenner des Verborgenen und des Offenbaren, der Große und hoch Erhabene. (Sura Al-Ra`d 13:9) Und Er erschafft, was ihr nicht wisst. (Sura Al-Nahl 16:8) Es gibt nichts, was Ihn nicht lobpreist; ihr aber versteht ihr Preisen nicht. (Sura Al-Isra` 44)

Im Koran wird diese Dualität und die Unfähigkeit des Menschen, viele Sachen und Erlebnisse zu verstehen – insbesondere bei Vernachlässigung der Quelle des Wissens – Offenbarung – angesprochen: Sie fragen dich nach dem Geist. Sag: Der Geist ist vom Befehl meines Herrn, euch aber ist vom Wissen gewiss nur wenig gegeben. (Sura Al-Isra` 17:85)

Die beiden Bereiche, materiell und spirituell, sind verflochten und getrennt. Es gibt Gestalten und Sachen, die zum Verborgenen gehören. Der Mensch kann diese mit seinen fünf körperlichen Sinnen unmöglich erfassen. Dazu benötigt er die himmlische Offenbarung, die ihm – von den Propheten gelehrt – ermöglicht die Existenz solcher Realitäten zu erfassen und ein beschränktes Verständnis der Hintergründe zu erlangen. Das Erwachen des intuitiven sechsten Sinnes im Herzen der Anhänger der Offenbarung bzw. Propheten, ermöglicht den rechtgeleiteten und erleuchteten Personen Sachen und Ereignisse zu würdigen, so wie sie wirklich sind. Dazu zählen beispielsweise die Ginn, die Engel, die Hölle, das Paradies und die himmlischen Paradigmen, welche die Begriffe von Leben und Tod hervorheben.

Die Spitze von dem, was das Fassungsvermögen des Menschen in diesem Leben übersteigt, ist der Allmächtige, der Schöpfer, Herr und Versorger des Universums. Er ist, was Er über Sich Selbst im Koran sagt: (Er ist) der Erschaffer der Himmel und der Erde. … Nichts ist Ihm gleich; und Er ist der Allhörende und Allsehende. (Koran Sura Al-Shura 11)

Und er beschreibt Sich weiter: Die Blicke erfassen Ihn nicht, Er aber erfasst die Blicke. Und Er ist der Feinfühlige und Allkundige. (Koran Sura Al-n`am 6:103)

Die meisten Sachen haben sowohl offensichtliche als auch verborgene Aspekte. Dazu gehören alle physischen Sachen, also auch die Menschen. Jede Sache, sei sie noch so klein und unbedeutend, hat einen spirituellen Grund und eine Aufgabe im himmlischen Plan für die Erde zu erfüllen. Es ist ein islamischer Grundsatz, dass jedes einzelne Ding dazu erschaffen wurde, seinen angemessenen Beitrag zur Erfüllung der himmlischen Pläne im Leben zu leisten.

Kein Aspekt im Leben, weder der offensichtliche (Zahir) noch der spirituelle (Batin) kann auf Kosten des anderen bevorzugt werden. Es funktioniert alles fein aufeinander abgestimmt.

Alle Handlungen des wahren Muslim sind vom Geist dieser Philosophie durchdrungen. Die materielle und die spirituelle Facette einer Sache sind untrennbar. Aber wenn sie gegeneinander aufgewogen werden, für die gesamte Bedeutung, dann wird der spirituellen Dimension klar der Vorzug gegeben gegenüber der materiellen, obwohl ihr gelegentlich eine entscheidende Rolle für das Wohlergehen der Menschen zukommt. Das bedeutet aber keinesfalls, dass die Körperlichkeit des Lebens vernachlässigt oder unterbewertet wird. Es bedeutet nur, dass Allah und spirituelles Wachsen die ewige Liebe und größte Begeisterung des wahren Muslim sind. Alles andere ist zweitrangig.

So ist die Vision des wahren Muslim universell und umfasst die äußeren und inneren Facetten der weltlichen Realität. Für ihn ist die Schöpfung von außergewöhnlicher Schönheit, die von Allah, Der absoluten Schönheit konzipiert und gestaltet wurde. Restlos alles ist bedeutungsvoll und schön, weil es von Allah stammt – Quelle des Guten und Schönen – und Seinem Plan für die Schöpfung dient und klar und deutlich göttlich unbegrenzte Präsenz, Allmacht und Gnade ausstrahlt. Perfektion, Harmonie, Einheit, Klarheit und Symmetrie, entsprechend dem universellen Standard von Schönheit – charakteristisch für jeden Bestandteil der Existenz – beweisen die vollendete Perfektion, Souveränität und Unendlichkeit von Allah und Seine Eigenschaften; eine davon ist Schönheit. Ohne diese inneren Qualitäten wären die vergänglichen Sachen dieser Welt völlig leblos und leere Sachen, so unbedeutend und unbeachtet wie ihre ursprünglichen Substanzen.

Von Dr. Spahic Omer aus Bosnien, zur Zeit wohnhaft in Malaysien, als Professor tätig an der Kulliyyah of Architecture and Environmental Design, International Islamic University Malaysia.

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Übersetzt durch

Der wahre Islam


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