Aufrichtigkeit zu Allah

Es gibt drei Personen, die eine Gesellschaft verändern können: Der Gelehrte, der großzügige Wohltäter und der Mujahid (der sich auf dem Weg Allahs Bemühende). Diese drei Typen von Leuten sind der Kern einer Gesellschaft.

Die Gesellschaft dreht sich um sie herum und sie sind das Fundament der Gesellschaft, da sie es sind, welche die Gesellschaft aufrecht erhalten und kraftvoll und maßgebend unterstützen. Wenn diese drei Arten von Leuten vertrauenswürdig und aufrichtig sind – der Gelehrte, der Wohltäter und der Mujahid – dann ist die ganze Gesellschaft rein und geeint. Sobald ihre Absicht korrupt wird, verwandelt sich die ganze Gesellschaft in einen Haufen von Schrott. Denn die Herzen sind wie Früchte, wie Blumen: wenn diese rein und sauber sind, dann verströmen sie einen süßen Duft und wenn sie verdorben und verwelkt sind, dann verbreiten sie einen faulen Geruch, der die Nase stört und Ekel erregt.

Sobald die Herzen korrupt werden, wird diese Fäulnis der ganzen Gesellschaft Schaden zufügen und Verleumdung, Geläster und Klatsch, schlimmste Gerüchte verbreiten sich und dadurch wird die Gesellschaft voll von Bosheit und Aufruhr, wo sich jeder die Nase zuhält, damit er nicht den Gestank seines Nachbarn oder Verwandten riechen muss.

Der Gesandte Allahs ﷺ hat eindringlich vor diesen drei Arten von Menschen gewarnt, wie berichtet wird: „Die ersten drei Menschen, die am Tag der Auferstehung ins Feuer geworfen werden sind der Mujahid (Märtyrer), der Gelehrte und der Wohltätige.“ O Allah! Einer spendet bis kein Geld mehr in seiner Tasche ist, bezahlt die Schulden der Leute, befriedigt die Bedürfnisse der Leute, befreit die Leute aus bedrückenden Notlagen und dann verschlingt ihn das Feuer?! Ja! So wird es in den Sahihayn beschrieben.[1]

Abu Huraira berichtet: „Ich hörte Allahs Gesandten ﷺ sagen: „Der erste der Menschen, über den am Tage der Auferstehung gerichtet wird, ist einer, der als Märtyrer starb; er wird (zu Allah) gebracht, und Er lässt ihn wissen, welche Gnade er ihm gewährte, und er erkennt sie. (Allah) wird ihn fragen: „Was hast du damit gemacht?“ Er antwortet: „Ich kämpfte um Deinetwillen, bis ich als Märtyrer fiel.“ (Allah) antwortet: „Du lügst, vielmehr kämpftest du, damit du mutig genannt würdest – was auch geschah.“ Dann wird befohlen, ihn auf seinem Gesicht fortzuziehen und ins Feuer zu werfen.

Ein Mann, der Wissen erwarb und den Koran rezitierte, wird (zu Allah) gebracht. Er lässt ihn wissen, welche Gnade er ihm gewährte und er erkennt sie. (Allah) fragt: „Was hast du damit gemacht?“ Er antwortet „Ich habe Wissen erworben und es weitergegeben, und ich rezitierte um Deinetwillen den Koran“ (Allah) antwortet: „Du lügst. Vielmehr lerntest du, damit gesagt würde: Er ist ein Gelehrter, und rezitiertest den Koran, damit gesagt würde: Er ist ein Koran-Rezitator – was auch geschah.“ Dann wird befohlen, ihn auf seinem Gesicht fortzuziehen und ins Feuer zu werfen.

Ein Mann wird gebracht, dem Allah Wohlstand und jede Art Reichtum gab. Er lässt ihn wissen, welche Gnade er ihm gewährte und er erkennt sie. (Allah) fragt: „Was hast du damit gemacht?“ Er antwortet: „Ich habe keinen Weg ausgelassen, von dem Du wolltest, dass auf ihm gespendet würde, ohne um Deinetwillen zu spenden.“ (Allah) antwortet: Du lügst. Vielmehr hast du es getan, damit gesagt würde: Er ist wohltätig – was auch geschah.“ Dann befiehlt Er, ihn auf seinem Gesicht fortzuziehen. Danach wird er ins Feuer geworfen“. (Muslim)

Allah sagt:

Wer immer das diesseitige Leben und seinen Schmuck will, dem lassen Wir in ihm (den Lohn für) seine Werke in vollem Maß zukommen, und ihm wird darin nichts geschmälert. Das sind diejenigen, für die es im Jenseits nur das (Höllen)feuer gibt. Nutzlos ist, was sie in ihm gemacht haben, und hinfällig wird, was sie zu tun pflegten. (Koran Sura Hud 11:15-16)

Der Mensch kann manchmal die Macht von Allah vergessen oder er kann Allah unterschätzen oder er kann die Beziehung zu Allah vernachlässigen oder er kann Allah nicht in gebührender Weise anbeten und als Folge davon wird er unbewusst die Leute so behandeln, als ob er die Macht und das Sagen hätte. Sobald die Kraft des Allmächtigen von den Menschen vergessen wird, werden sie überheblich und unterdrücken die anderen, nehmen ihren Besitz und versuchen die Bemühungen der Vertrauenswürdigen und Aufrichtigen zu unterbinden. „Wahrlich, Allah ist rein und Er nimmt nur das Reine an.“[2]

Scheich al-Islam Ibn Taymiyyah Rahmatullah alayhi gab die Fatwa (Urteil), dass die dreimalige Scheidung auf einmal nur als eine Scheidung gilt, im Gegensatz zu den Meinungen der vier Rechtsschulen. Sein Schüler Ibn al-Qayyim war gleicher Meinung. Darum wurden die Beiden auf ein Kamel gesetzt und in Damaskus umhergeführt, während die Irren sie verspotteten und die Kinder ihnen in gleicher Weise folgten. Ibn Taymiyyah wurde ins Gefängnis gesteckt und laut „Al-Fatawa“ sagte er:

„Bevor ich ins Gefängnis kam, pflegte ich einige Familien zu unterstützen und die Hilfe an diese Bedürftigen wurde dadurch unterbrochen, was mich sehr schmerzte. Während ich im Gefängnis war, erreichte mich die Nachricht dieser Familien: „Sie kommen immer noch zu uns in der Gestalt wie zuvor und Sie geben uns immer noch den gleichen Betrag, den Sie uns immer gaben.“ Also sind unsere Brüder von den Ginn (Geistwesen) eingesprungen und haben dies weitergeführt. Wenn die Welt leer ist von Gutestuenden, dann sind die gläubigen Ginn und die Engel mit den Gläubigen.“

Eine berühmte Aussage von Ibn Taymiyyah ist: „Was können meine Feinde mir antun? Mein Paradies ist in meiner Brust und verlässt mich nicht. Meine Haft ist Zurückgezogenheit mit Allah und mein Tod ist Märtyrium und meine Vertreibung ist Reisen. Wenn die Leute, die mich ins Gefängnis brachten, den Gegenwert des Gefängnisses in Gold bekämen, so wäre dies für sie nicht so kostbar wie das, was mir Allah mit dieser Haft gegeben hat.“ Ibn Taymiyyah starb und einige seiner Schriften wurden aus dem Gefängnis genommen. Da ihm Papier und Stifte verwehrt wurden, nahm er Steine aus den Mauern und dem Boden des Gefängnisses und schrieb damit an die Wände, von wo es abgeschrieben wurde. Seine Bücher wurden verbrannt und die Tyrannen dachten, sie hätten das Licht dieses Gelehrten ausgelöscht und verhindert, dass seine Lehren die Leute erreichte.

Die Zeit verging und nach sechseinhalb Jahrhunderten erlaubte Allah die Entdeckung von Erdöl auf der Arabischen Halbinsel. Die Gelehrten dort wurden durch die Bücher von Ibn Taymiyyah gestärkt. Durch dieses riesige Vermögen konnten all die Lehren von Ibn Taymiyyah gedruckt und in die ganze Welt verteilt werden.

Aufrichtigkeit und Vertrauenswürdigkeit führen auf misteriöse Wege in dieser Welt und in der nächsten. Darum müssen wir uns in Acht nehmen und in unserer Beziehung zu Allah aufrichtig und ehrlich sein! Wir müssen uns davor hüten, uns gegen Allah zu verschwören oder List anzuwenden! Vorsicht vor Einbildung:

Er sagte: „Es ist mir nur gegeben worden aufgrund von Wissen, das ich besitze.“ (Koran al-Qasas 28:78)

Aufpassen müssen wir auch bei Einflüsterungen des Schaytans (Teufel), der uns dazu bringt eitel zu sein, Ansehen zu lieben oder den Muslimen zu schaden. Wir haben es mit dem Herrn der Welten zu tun und diese Person, ein schwacher Anbeter Allahs, auf den jemand Druck ausübt, hat Allah auf seiner Seite: „Wer sich mit einem Meiner Schützlinge (Auliyâ) verfeindet, dem erkläre Ich den Krieg.“ (Bukhari) Wer kann es mit dem Herrn der Welten in einem Kampf aufnehmen? Er kann nicht einmal jemandem Schaden zufügen:

Wenn ihr aber geduldig seid und gottesfürchtig, wird euch ihre Arglist keinen Schaden zufügen. Allah umfaßt, was sie tun. (Koran al`Imran 3:120)

Sie werden euch keinen Schaden zufügen, außer Beleidigungen. Und wenn sie gegen euch kämpfen, werden sie euch den Rücken kehren, und hierauf wird ihnen keine Hilfe zuteil werden. (Koran al`Imran 3:111)

Allah tut gewiss nicht im Gewicht eines Stäubchens Unrecht. Und wenn es eine gute Tat ist, vervielfacht Er sie und gibt von Sich aus großartigen Lohn. (Koran an-Nisa 4:40)

 

Übersetzt durch

Der wahre Islam


[1] Muslim (1905), Ahmad (2/322), an-Nasā’ī (6/23), at-Tirmidhī (2383) und Ibn Hibbān (408)

[2] Muslim (1015), at-Tirmidhī (2989), Ahmad (2/328) und ad-Dārimī (2/300)


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